WOLVES IN THE THRONE ROOM – BBC Session 2011 Anno Domini (LP)

Die Zukunft um die stilprägenden WOLVES IN THE THRONE ROOM des modernen US-Black Metals bleibt weiter ungewiss. Nach wie vor kursieren Trennungsgerüchte um die naturverbundenen und als Einsiedler auf einer abgelegenen Kommune lebenden Brüder Nathan und Aaron Weaver. Eine endgültige Stellungnahme ist die Band ihren zahlreichen Anhängern aber noch schuldig. Fakt ist, keine andere extreme Metal-Band hat in den letzten Jahren mehr Staub in der Szene aufgewirbelt und nachfolgende Generationen so tief und spirituell beeinflusst, wie die atmosphärisch-meditative Musik des Trios. Mit dem Live-Dokument „Anno Domini“ gibt es Hoffnung auf ein Weiterbestehen der Päpste des Transzendentalen.

Die 2011 in den Maida Vale Studios live aufgenommene BBC Session vereint die beiden, großartigen Übertracks „Prayer Of Transformation“ und „Thuga Magus Imperium“ vom letzten regulären 2011-Album „Celestial Lineage“ in erstaunlich homogener Soundqualität. Die Ehre ähnlicher BBC-Sessions wurde bisher nur wenigen artverwandten Bands des Genres zuteil, wie Napalm Death, Carcass oder Baroness. WOLVES IN THE THRONE ROOM reihen sich nun in diese illustre Riege ein und beweisen nach ihrem ekstatischen 2008-Live-Album „Live at Roadburn“, dass sie mit ihrer majestätischen Live-Zeremonie Meister hypnotischer Gitarren und fulminant-brechenden Schlagzeuggewittern sind.Von stumpfem Krach und satanischen Thematiken sind die Wölfe aber Dimensionen entfernt. Viel mehr vertieft sich die Band hochkonzentriert in ihren naturmystischen Ansatz und geht dabei mit einer konsequenten Ernsthaftigkeit vor, der Hochachtung hervorruft. Live heißt hier keineswegs spartanisch, sondern hochqualitativ musiziert und in voller Klarheit vor dem ökologischen Gewissen des Konzepts. WOLVES IN THE THRONE ROOM spielen Black Metal, der zwar aggressiv daherkommt oder brutal wirkt, aber seine Zuhörer in geborgene Wärme und Trance, nein gar in Tränen versetzen kann. Diese Band ist längst zu ihrer eigenen Religion geworden, ist nur an ihren eigenen Regeln messbar.

„Anno Domini“ erinnert wieder daran, wie erste Hörerfahrungen mit Alben wie „Diadem Of 12 Stars“ oder „Two Hunters“ seinerzeit waren. Hochemotional, künstlerisch hochwertvoll, expressiv und definitiv nicht von dieser Welt. „Anno Domini“ erinnert wieder daran, in welche großen Fußstapfen nachkommende Bands treten werden, die mehr sein wollen als nur stumpfe Heldenverehrung. „Anno Dominiere“ erinnert wieder daran, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM nach wie vor wichtig sind immer bleiben werden. Es ist definitiv noch viel zu früh für ein R.I.P.

(Dimitrios Charistes)