FOREST SWORD – Engravings (CD/LP), Toshimaru Nakamura, Ken Ikea, Tomoyoshi Date – Green Heights (CD)

FOREST SWORD- Engravings (CD/LP; Pias UK/Tri Angle/Rough Trade)

Sehr erfrischend mal wieder ein Album zu hören, auf das sich nicht selbstredend ein Genrelabel wie Trip Hop, Electro oder Industrial anbringen lässt. FOREST SWORD klingen anders, wobei damit mehr als nur die Abgrenzung vom alltäglichen Mainstream gemeint ist. Das Album „Engravings“ steht für eine selten gewordene Eigenständigkeit im musikalischen Business. FOREST SWORD gelingt auf „Engravings“ viel. Sie kombinieren mit Leichtigkeit Dubstep á la BURIAL atmosphärisch dichten Elementen, wie ich sie zuletzt bei Bands wie den legendären SCORN gehört habe. Dazu kommen noch klug eingesetzte Percussionsparts, die allerdings nicht die Flächen füllen, sondern ergänzen und somit Raum lassen für diversitär eingesetzte Akustikinstrumente, die dadurch ihren ganz eigenen Zauber entfalten können. Entstanden ist ein sehr dichtes, melancholisches Album, das man angenehm in einem Rutsch durchhören kann, da es keine nennenswerten Schwächen aufweist und stimmungsmäßig sehr konsistent ist. Auf Gesang verzichten FOREST SWORD fast komplett, von dem einen oder anderen Sample mal abgesehen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen gelingt FOREST SWORD das Kunststück, eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, die den Hörer zu fesseln weiß.

Toshimaru Nakamura, Ken Ikea, Tomoyoshi Date – Green Heights (CD; BASKARU)

Experimentelle Musik ist immer schwer zu beschreiben, hat man es doch oft mit Kompositionen zu tun, die wenig auf der tonalen aber dafür mehr auf der emotionalen Ebene funktionieren. Daher findet man in diesem Genre oft verkopfte Interpreten, deren Musik aktives Zuhören fordert, um verstanden zu werden. Schnell ist die Grenze erreicht, wo komplexe Klangkonstruktion als Dissonanz missinterpretiert werden kann. Wirkliche Meister sind die, denen es gelingt, mit wenig Einsatz bei einer breiten Hörerschaft viel zu erreichen. Den Japanern Toshimaru Nakamura, Ken Ikea und Tomoyoshi Date ist dieses Kunststück mit ihrem Album „Green Heights“ gelungen. Die wenigen Geräuschtexturen sind dezent eingesetzt, nicht zu laut eingespielt, hallen dezent im Hintergrund, ohne sich dem Hörer wirklich aufzudrängen. Das schafft Platz für etwas lautere Töne, die sich klanglich harmonisch in die Flächen einpassen, aber dennoch die Peaks erzeugen, die ein Album abwechslungsreich gestalten. Langweilig wird es beim Hören nie. Man kann darauf zählen, dass sich einmal etablierte Effekte wie Glockenspieleinlagen oder fein designte Geräusche nicht abnutzen, sondern in dezenter Folge abgelöst werden oder in neuen Kontexten erscheinen. Das Ganze ist so fein abgestimmt, dass auch passives Zuhören ermöglicht wird, bei dem man von der einen oder anderen Idee wieder bewusst in die Musik zurückgeholt wird. Ein rundum gelungenes Album – harmonisch, melodisch und voller guter Ideen, dass dem Hörer nicht viel abverlangt.

(S.Kummer)