MODERN WITCH – Hollywood (LP)

Witch House verschwand so schnell wieder in der Versenkung, wie das Genre mittels Hype plötzlich aufgetaucht war. Allerdings blieben einige Elemente als Einfluss auf andere Genres erhalten und in letzter Zeit ist sogar ein kleines Revival von Witch House zu beobachten. Allen voran die äußerst produktiven wie geschäftstüchtigen MATER SUSPIRIA VISION oder das amerikanische Duo ΔAIMON, welche nie ganz weg waren, aber auch die neuen mysteriösen Projekte IN DEATH IT ENDS, THE DEVIL & THE UNIVERSE oder BLACK MANNA sorgen für neue Impulse. Das Trio MODERN WITCH aus Denver gehörte dagegen zu den Pionieren des Witch House und erinnert nicht nur in seiner Besetzungs-Konstellation an deren „Super-Stars“ SALEM. Obwohl auch auf der legendären „Isvolt“-Compilation des Robot Elephant-Labels vertreten, war der restlicher Output von MODERN WITCH nur auf limitierte CD-Rs und Tapes bei u.a. Laser Place, Disaro oder Clan Destine Records beschränkt, so das jetzt den verdienstvollen T(R)eue um T(R)eue die Aufgabe übertragen wurde, zumindest einen Teil ihrer verzettelten Diskografie ansprechend zu bündeln. Die auf 260 Exemplare limitierte schwarze Vinyl-LP „Hollywood“ biete jetzt 9 ausgewählte Tracks der Jahre 2009 bis 2011 von oben erwähnten Kleinst-Veröffentlichungen, denen weitere auf einer später erscheinenden Platte namens „Babylon“ folgen sollen. Neben dem Wich House-Etikett bringt das Label dabei noch die Bezeichnungen American Angst und Minimal Doom ins Spiel, welche ich ebenfalls als ganz passend empfinde bzw. die Lo-Fi-Ästhetik von MODERN WICH gut beschreiben. Beim hören der minimalen wie trotzdem zu tiefst atmosphärischen Tracks hat man stets grobkörnig-verwackelte VHS-Video-Aufnahmen vor dem inneren Auge und wird das Gefühl einer beängstigenden Stimmung nie ganz los. Leiernde Synths, verhallt klingende Drum-Box-Beats und der leidend-verwehte Gesang von Kirsty Fenton tun ihr übrigens, diesen ersten trostlosen Eindruck auch aufrechtzuerhalten. Höhepunkt und gleichzeitig Ende dieser beunruhigenden Reise ist vorerst das Titel gebende „Hollywood Babylon“, welches sich gleichzeitig distanziert und intensiv zu einen Klage-Mantra auftürmt. Eine feine Platte in qualitativ guter Pressung mit kultigen Cover, der auch noch ein extra Insert beiliegt. Am 01.11. werden übrigens MODERN WITCH neben TEATRO SATANICO und NIEDOWIERZANIE in Berlin beim Anaphase-Festival auftreten und eventuell einen Vorgeschmack auf noch kommendes geben – Witch House scheint also nicht tot und es bleibt interessant bis spannend! (Marco Fiebag)