WOLVSERPENT – Perigaea Antahkarana (2CD/2LP)

Das amerikanische Duo Wolvserpent veröffentlicht auf Relapse ihr zweites Album und dieser Brocken von knapp 90 Minuten ist eine Herausforderung für sich. Brittany Mc Connell (Drums+Geige) und Blake Green (Gitarren+Vocals), die beiden Musiker hinter Wolvserpent, bedienen musikalisch den Doom/Death-Bereich und reichern diesen mit Drone/Black Metal und Ambient an.S ongs mit Längen bis zu 25 Minuten sprechen Bände und erwarten in jedem Fall eine gewisse Motivation sich durchzubeißen. Wer Extremdoomster wie die kranken Briten Esoteric,die alten finnischen Helden von Thergothon oder Skepticism schätzt, liegt schon einmal auf der richtigen Fährte, bedienen Wolvserpent ähnliche Gemüter, setzt man auf ultralangsame zähe Death/Doom-Riffs, die gesanglich oft an Esoteric erinnern, welche ähnlich spitze kranke Schreie zu den obligatorischen Growls präsentierten.

Die Amerikaner sind um Abwechslung bemüht, dies zum Beispiel durch den Einsatz von Samples (Vogelgezwitscher in „In Mirrors Of Water), oder das im atmosphärisch einleitenden Intro, welches durch ambiente Klänge inklusive Rabengekrächze auf die düsteren folgenden 90 Minuten Appetit machen soll. Das dann folgende Stück „Within The Light Of Fire“ schafft in seinen 17 Minuten eine nahezu sakrale Aura, werden orgelartige Keyboards (siehe Skepticism), sphärisch manchmal fast postrockige Gitarrenberge übereinandergetürmt, die dann mit dem typischen Wahnsinn im Gesang (Esoteric) eine pechschwarze Atmosphäre kreieren, die man so in dieser Epik von o.g .Vertretern der Zunft lieben gelernt hat.

Psychedelisch kraftvolle Riffs in Mega Slow-Mo, zum Teil fast tribalartig in bester Neurosis-Manier lassen im weiteren Verlauf die Dynamikkurve anschwellen, nur um dann in dronig sumpfigen Morast sich komplett zu verlieren. Da sind dann auch die Dronerock-Götter Sunn O))) nah am Horizont auszumachen. Im bereits oben benannten „In Mirrors Of Water“ schaffen Wolvserpent für mich den zentralen Song der Platte, werden hier doch alle Paletten, alle Eckpfeiler ihres Soundkosmos bedient und ausgelebt. Beginnend mit minutenlangen Vogelgezwitscher, einer schluchzenden Geige und todtraurigen Ambientklängen erinnert man im positiven Sinne an die Neoklassiker Amber Asylum…nur um in weiteren Verlauf dieser gerademal 21 Minuten!!!! über dronige Gitarrenschleifen den Ballast aus dem Sumpf zehrt und kraftvoll verschleppt mit doomigen Blackmetal a la Wolves in the Throne Room neuen Anlauf nimmt.

Mit dem vorletzten 23-Minüter „A Breathe In The Shade Of Time“ weisen erneut Intro-artig stimmungsvolle, fast kammermusikalische Streicher, dumpfe Glockenschläge und puristische folkloristische Elemente den Weg durch die Nacht, ehe massive dronige Gitarren einsetzen, die dann wiederum mit soundtrackartigen Streichern surreale Bilder malt. Das Ganze mit dieser aus dem Schlund der Hölle vorgetragenem Gesang…definitiv für die Nacht, für den Winter geschrieben. Da Wolvserpent viele genrefremde Einflüsse (Postrock, Ambient, Chambermusic, Black Metal) zulassen, die den doch sehr ausufernden monotonen Songs über die Distanzen zu kleinen Lichtblicken verhelfen, ist es Fans o.g .Extremdoom-Sounds wärmstens ans Herz gelegt. Für alle anderen ist die Gefahr der monotonen Überforderung nicht ausgeschlossen…in jedem Fall ein feiner Happen für die kommenden Wintertage.

(R.Bärs)