NHOR – Within The Darkness Between The Starlight (2LP)

Rückwärtsgewandte Entwicklung im Hause Nhor. Während die ersten beiden Alben des britischen Ein-Mann-Projekts sich der melancholischen Klaviermusik widmeten und so dem Neofolk eine klassische Note hinzufügten, wird auf Machwerk Numero Tri „Within The Darkness Between The Starlight“ auch mal ordentlich gebolzt. Neo Black Metal? Ambient Black Metal? Melancholic Nature Spiritual Transcedental Black Metal? Scheiß, auf Genres, scheiß auf Konventionen. Wer in all der Flut von mittelklassigen BM-Veröffentlichungen mal wieder ein Album mit spirituellem Tiefgang sucht. Et Voila. Kommet sie erkunden, die düsteren Landschaften Englands, die Waldhexe ruft!

NHOR ist eines dieser Projekte, welches sich zwar ganz klar im Black Metal-Umfeld ansiedelt, aber schon immer für Kontroversen innerhalb der Szene sorgt. Selbstverständlich können stumpfe Warpaint-Verfechter mit Melodien und kristallisierender Epicness nicht immer was anfangen: zu wenig Blut auf dem Cover, keine Satan-Huldigung im Booklet und „Depressive sein“, ist eben nach wie vor kein Label, sondern ein Gemütszustand. Irgendwie so, reimt man sich seine puristische Weltanschauung und Ästhetik zusammen, wenn man auf den ersten Darkthrone-Alben hängengeblieben ist und die neueren Burzum-Sachen nicht mehr im BM-Kontext akzeptiert. Stimmt ja auch, wollen sie auch gar nicht sein. Den Grips mal wieder auf Progressivität schalten, Black Metal kann (und darf) doch noch so viel mehr.

Für alle Mehrbegreifer dieser Subkultur kann NHOR die Pforte zur dunklen Offenbarung öffnen, die sich ähnlich wie beim irischen Kollegen ALTAR OF PLAGUES eher naturverbunden gibt, aber nicht ganz so brachial-plakativ zu Werke geht. So sorgen die acht Stücke dafür, dass die unterschiedlichsten Emotionen beim Hörer angesprochen werden, Dark Ambient-Momente verstärken eindringlich den melancholischen Kontext. Selbstverständlich gibt es nach wie vor die markanten atmosphärischen Interlude-Klavierpassagen, sowie dezente Akustikgitarren-Klänge. Geschrei und Gekeife sind nie vordergründig, platziert sondern verstärken in den härteren Momenten die Verzweiflung einer apokalyptischen Weltsicht, die eigentlich nur die bedingungslose Liebe zum Planeten Erde und seiner Naturvielfalt symbolisieren soll.

So wird „Gesang“ eher spährlich eingesetzt, verkommt nie zum Zweckmittel, sondern bestärkt die verzweifelten Momente mit kathartischen Ausbrüchen. Als Highlight des Albums sei exemplarisch „The Temple Of Growth & Glimmer Ascends“ genannt, welches fast fünf Minuten benötigt um sich mit leisem, gefühlsbetonten Tastenspiel aufzubauen um anschließend in ein brachiales Inferno zu stürzen, welches durch seine klirrende Kälte den gänsehautbetonten Höhepunkt des 14-Minüters erreicht. Auch ein Blick auf NHORs weiteres Schaffen lohnt (nhor.tumblr.com/), denn der Künstler unterstreicht sein Projekt mit Naturfotografien und Gedankenskizzen, schafft somit ein menschenleeres Gesamtkunstwerk, welches Hörer ansprechen soll, die auch mal ganz gerne mit einem Naturmystik-Buch unterm Kopfkissen einschlafen und sich längst von der Hektik der modernen Welt verabschiedet haben.

„Within The Darkness Between The Starlight“ ist eines dieser modernen BM-Alben, auf die man durch Rezensionen wie diese oder Empfehlungen von Dritten stößt. Ja, der Markt ist gesättigt. Ähnliche hochkarätige Projekte wie Woods Of Desolation, Panopticon, Mamiffer oder Alcest sind Speerspitzen von verträumten Klängen mit hartem Kern. Warum noch nach anderweitgen Projekten suchen, wenn man bereits Qualität im Regal stehen hat und für einige mit Burzums ersten Alben ohnehin alles gesagt scheint. Nun ja, die Frage lässt sich an dieser Stelle kaum beantworten. Für viele ist dieser Sound Ausdrucksmittel der eigenen Gefühlswelt, für andere schlichtweg Sucht und Eskapismus. Die Musik von NHOR gehört definitiv zu den besseren dieser überbevölkerten Szene und schafft es, Tiefgang mit Poesie zu verbinden, ohne dass es kitschig oder peinlich wirkt. Daher an dieser Stelle noch einmal eine ausdrückliche Empfehlung.

NHOR‘s “Within The Darkness Between The Starlight” erscheint ausschließlich auf 500 Stück limitierte Gatefold DLP (180gr) über Prophecy Records.

(Dimitrios Charistes)