LUX INTERNA – Interview

Auch wenn mir der Name LUX INTERNA schon eine Weile geläufig gewesen war, erreichte mich deren Musik erst so richtig, als ich sie auf dem 2007er WGT sah. Vor allem „God is not dead for the birds“ versetzt mich immer wieder in eine ähnliche Stimmung, selbst wenn ich es seitdem nur als ’Tonkonserve’ hören konnte. Das kurz nach dem WGT begonnene Onlinegespräch folgt.

? Wie hat euch das diesjährige WGT gefallen? Möchtet ihr uns evtl. von etwas Besonderem berichten?

Kathryn: Das Konzert auf dem WGT dieses Jahr war eine großartige Möglichkeit für LUX INTERNA. Da wir eine Gruppe von Musikern sind, die räumlich sehr weit voneinander entfernt leben, ist es immer wieder eine seltene, aber phantastische Gelegenheit, auf der Bühne live zusammenzuarbeiten. Noch dazu hatten wir dieses Jahr das zusätzliche Glück, mit HENRYK VOGEL von DARKWOOD zu musizieren, was wirklich eine Ehre und Freude für uns alle war. Ich persönlich war sehr zufrieden mit dem Konzert. Es existiert eine ganz bestimmte Energie, die sich manifestiert, wenn jeder Musiker sich während eines Liveauftritts öffnet und mit den anderen verbindet, auch wenn man weiterhin eine persönliche Beziehung zu jedem einzelnen Song aufrechterhält. Auf der Bühne entsteht eine Welt, wenn dieses Gefühl, eine Einheit zu sein, dieser gemeinsame Rhythmus heraufbeschworen wird. Es ist wirklich eine einzigartige, kräftigende Erfahrung, ganz anders als jede andere.

? Ja, euer Konzert war wirklich besonders. Zu etwas anderem: Wie kam es denn, dass ihr eure erste 10 Inch auf einem deutschen Label (Eis & Licht) veröffentlicht habt?

K.: Nachdem wir „Truth and Beauty and All Their Severity” im Oktober 2000 aufgenommen hatten, schickten wir die EP mit ihren 5 Liedern an ein paar „independent labels“. Da wir die Kategorisierung von Musik in bestimmte Genres oder Szenen als problematisch (und in unserem Fall letztendlich unmöglich) ansehen, haben wir die Labels aufgrund des Respekts für die von ihnen veröffentlichte Musik ausgewählt. Eis & Licht war zufälligerweise eines der Labels, die positiv reagierten und nach kurzer Korrespondenz mit Stephan Pockrandt war es klar, dass er ganz ähnliche Prinzipien hatte, was Musik betrifft. Wir arbeiten nun seit 7 Jahren zusammen und haben 3 richtige Alben und ein paar Kompilationen zusammen herausgebracht. Ich denke, das ist bisher eine wirklich positive und produktive Beziehung gewesen.

? Wird es wieder mal Veröffentlichungen auf Vinyl geben?

Joshua: Ich bin ein sehr großer Freund von Vinyl, sowohl was den Sound als auch was die Ästhetik angeht. Die Größe einer Schallplatte gibt einem auch mehr Platz für das Artwork des Albums, was auch sehr nett ist. Nachdem ich das jetzt gesagt habe: Ich bin mir nicht sicher, ob es noch Vinylveröffentlichungen geben wird. In vielerlei Hinsicht ändert sich das Gesicht des „music business” sehr schnell und meiner Meinung nach nicht zum Besseren. Die Leute sind leider immer weniger gewillt, überhaupt noch CDs zu kaufen, sondern laden Musik lieber runter. Ich sage „leider“, weil ich echt glaube, dass das Artwork, die Texte und Linernotes eines Albums dazugehören. Ich weiß noch, wie ich mich über die Notes meiner Lieblingsalben hergemacht habe. Aber heute sieht es so aus, als hätten die Leute kaum noch überhaupt die Aufmerksamkeitsspanne, sich ein Album ganz anzuhören, noch viel weniger, sich um die Texte und Subtilitäten eines Albums zu kümmern… Wenn man sich Dinge wie die Klingeltöne für Handys betrachtet: Da wird Musik doch in sehr kleine Einheiten aufgebrochen. Alles wird in kleine Häppchen verwandelt, für eine Kultur, die nichts mehr verdauen kann, das kein Fast Food ist.

? Was hat sich denn seit der „Truth and Beauty…” am deutlichsten bei euch verändert?

K.: Nun, gleichzeitig sehr viel und sehr wenig. Die grundsätzlichen Ideen und Ideale, die das konzeptionelle Rückgrat von LUX INTERNA ausmachen, sind über die Jahre konstant geblieben, während die Komposition bzw. Zusammensetzung sowohl der Musik als auch der Band sich ziemlich verändert hat. LUX INTERNA begann ja in den späten Neunzigern als akustisches Soloprojekt von JOSHUA, welches aus Songs bestand, die er selbst schrieb und auf seinem 4-Spur-Analogrekorder in seiner Wohnung in Buffalo, NY, aufnahm. Langsam wuchs dieses Projekt an und umfasste immer mehr Leute: KEVIN SWEET, ein enger Freund und Keyboarder, den JOSHUA von früheren Projekten kannte, sowie SHANE HALLNAN und mich selbst (wir waren damals zwar keine Musiker, aber sehr gut mit Joshua befreundet). Unsere frühen gemeinsamen Arbeiten ergaben „Truth and Beauty…“. Im Lauf der Zeit ist die Komposition von Musik und Text komplexer und tatsächlich reichhaltiger geworden, hat sich also im Einklang mit unseren Leben verändert. 2004 sind Joshua und ich nach Deutschland gezogen, was einen Wechsel der Arbeitsmethoden verursachte, da wirklich enger Kontakt unter den Bandmitgliedern kaum noch gegeben war. Aber weiterhin blieb unsere Zusammenarbeit stark und neuerdings haben wir sogar ein neues Mitglied aufgenommen, KATHERINE TRIMBLE, eine sehr talentierte junge Cellistin aus Rochester, NY, die nun in San Francisco lebt.

? Besteht denn der Anfang von „somewhere behind sleep” aus traditionell überlieferten Versen?

J.: Ehrlich, der Text ist von mir. Diese Verse waren ursprünglich Teil eines größeren Gedichts, einer Art Eulogie, geschrieben wegen des Verlusts zweier Leute, die mir sehr wichtig waren.

? Ich glaube mal, dass es sehr selten ist, dass eine einzelne Person so wichtig für eine Musikrichtung oder eine Genre ist, wie es bei DOUGLAS PEARCE für das, was man Neofolk nennt, der Fall ist. Was bedeutet Neofolk, im Gegensatz zu Folk, für euch?

Joshua: Ich behaupte nicht zu wissen, was Neofolk ist. Wir wollten niemals eine Neofolkband werden. Als es mit LUX INTERNA anfing, hatte ich diesen Begriff noch nie gehört und heute sehe ich ihn eher zwiespältig bzw. ambivalent. Einige Bands, die mit diesem Etikett versehen werden, mag ich sehr, die große Mehrheit allerdings ist mir völlig egal. Wir machen lediglich Musik, die bezüglich uns selbst und unserer Visionen ehrlich ist – wie man diese dann nennt, interessiert mich nur sehr wenig. „Szenen“ sind mir nicht sonderlich wichtig – andererseits freu ich mich über Kameradschaft unter Musikern, die sich einander irgendwie verwandt fühlen. Aber das ist wirklich eine „organische“ Sache, die sich zwischen Individuen abspielt, die sich auch als solche verhalten – und nichts, das notwendigerweise durch jemandes Musikstil bestimmt wird.

? Was denkst du darüber, dass einige Alben von DEATH IN JUNE in Deutschland indiziert sind?

J.: Darüber weiß ich ziemlich wenig. Scheint aber eine sonderbare Sache zu sein – ziemlich absurd eigentlich. In den meisten Fällen habe ich kaum Toleranz dafür, dass man mit „Nazi-Metaphoriken“ spielt um „künstlerisch“ zu schockieren. Kurz gesagt, das allermeiste davon ist ein großer „bullshit”: Größtenteils ist das doch nur ein armseliges Ablenkungsmanöver von der Tatsache, dass der „Künstler“/die „Künstlerin“ keinerlei echtes Talent hat. Bezüglich DIJ denke ich jedoch sehr anders. Für DIJ – offensichtlich alles andere als untalentiert – ist die Metaphorik ein wichtiger Bestandteil von PEARCEs Kunst, nicht nur etwas Inhaltsloses, das man an die Musik angehängt hat. Daher sehe ich dies künstlerisch gerechtfertigt.

? Zwei Namen finde ich wirklich faszinierend: Euren Bandnamen und den Namen eures neusten Albums. Was bedeuten die beiden? Wieso „birds” („Vögel“)?

J.: „Das innere Licht“. Die beste Variante, wie ich den Namen artikulieren könnte, ist es, auf eine Definition zu verweisen, die wir bereits einmal online gepostet haben: LUX INTERNA ist ein verborgenes Licht, eine Laterne, die man in Haut und Blut trägt. Das Licht, das Wildnis ist. Nicht Oase. Aber Königreich (cf. MySpace). Wie ich sehe, hast du meine Antwort diesbezüglich im Netz gefunden, die nächste Antwort bezieht sich dann ja auf den Albumtitel.

? Ist „Gott nicht tot für die Vögel”, weil diese weiterhin „ernten”, obwohl sie nicht gesät haben, während die Menschen andererseits unzufrieden mit Gott sind, da sie aufgehört haben, zu „säen“ (also sich zu kümmern, zu glauben), aber weiterhin „ernten“ (profitieren) wollen?

J.: Ziemlich scharfsinnig („insightful”). Du bist definitiv auf der richtigen Spur. Zumindest für mich gibt es da gleichzeitig mehrere Schichten an Bedeutung. Die Vögel sind immer noch in dem Raum zwischen der Erde und den Himmeln, sie überbrücken diese Entfernung weiterhin. Im Gegensatz zum Menschen haben sie das Licht und die Brise noch nicht vergessen, sie sind noch keine Gefangenen ihrer eigenen geistlosen Ideen und Traurigkeit geworden. Als ich eines Tages in einer sehr trübseligen Stimmung am Wasser saß, zog mich die Zusammenkunft der Vögel um mich herum in ihren Bann. Meine Stimmung verbesserte sich sofort und ich hatte das Gefühl, dass sich der vielfältig zersplitterte und gebrochene Körper Gottes in Lichtscherben innerhalb eines jeden befand. Mir schien es, als müssten sie die Erde und den Himmel mit ihrem Flug wieder zusammennähen und durch diesen Prozess Gott wieder zusammenfügen („re-membering God“ – spielt also auch mit der Bedeutung „remember“ – „sich erinnern“, Anm. MF). Es erschien mir auch, dass William Blakes Vermutung, dass jeder Vogel im Flug eine Welt des Genusses sei, unseren fünf materiellen Sinnen verborgen, sehr treffend sei. Dies verschaffte mir wichtige Einsichten in das Album, an dem ich arbeitete, und logischerweise ergab sich so dessen Titel.

? Beeindruckend. Und bei „Fallen“, geht es da um Luzifer?

J.: Ja, aber im Besonderen um seine Inkarnation als faustische Menschheit. Wir sind alle in einer Situation, die wir mit jedem anderen gemeinsam haben. Mit „Fallen“ wollte ich Luzifer eine Möglichkeit geben, seine Sichtweise des Falls auszusprechen, und ihm erlauben, die Vielfältigkeit seiner Persönlichkeit zu beschreiben. Es ist ein Schlaflied, eine Wehklage und eine Litanei für ihn – alles gleichzeitig. Andererseits umgeben dieses Lied noch andere Belange, aber ich denke, es ist am besten, wenn es diesbezüglich für sich selbst spricht.

? Inwieweit ist LUX INTERNA denn eine christliche Band?

J.: Das ist eine interessante Frage. Eine, die ich, wie ich fühle, nicht direkt beantworten kann. Die „spirituellen“ Glaubensrichtungen und Pfade der Bandmitglieder sind immens unterschiedlich. Aber natürlich vernimmt der Hörer (nicht nur) diesbezüglich ausschließlich meine Stimme, da ich ja alle Texte schreibe. Wir haben an und für sich keine religiöse Agenda. Andererseits beeinflusst mein persönlicher Glaube natürlich stark unsere Texte und ich übernehme die Verantwortung für die Ansichten, die darin ausgedrückt werden. Dabei belasse ich es jetzt mal, glaub ich.

? Es ist offensichtlich etwas mühselig, nach Einflüssen zu fragen. Ich denke mal, dass man einen Einfluss von LEONARD COHEN feststellen kann (ehrlich gesagt, jeder, der sagt, dass COHEN ihn nicht beeinflusst habe, sollte dies begründen müssen!). Vielleicht gibt es aber ja Einflüsse, von denen du uns gerne berichten möchtest?

J.: Als geradezu obsessiver Leser ziehe ich wohl mehr Inspiration aus der Literatur, als dass mich andere Musiker inspirieren. Jedenfalls ist es wichtig, festzustellen, dass die Lieder vor allem anderen durch mein inneres und äußeres Leben beeinflusst werden – andererseits sind die Worte von Schriftstellern lebende und atmende Elemente innerhalb dieses „Raums“. Lesen kann in manchen Kontexten rituell sein – es kann ein hermeneutischer Vorgang sein, der den Leser ebenso verändert wie den Text. Aus diesem Schnittpunkt – zwischen meiner Welt und der des Texts – ziehe ich vieles an Inspiration. Momentan füllen u.a. folgende Texte meinen Kopf und mein Herz: Studien der „Lurianic Kabbalah”, St. Augustine, Hölderlin, Blake, Meister Eckhart, Jacob Böhme, St. John, Martin Heidegger, Henry Corbin, Elliot Wolfson und verschiedene andere Poeten, Propheten und Visionäre. Im letzten Jahr habe ich mich vor allem für die Untersuchung des „Sprachmystizismus“ („language mysticism”) und die Idee der Wesensgleichheit von Wort und Welt interessiert – also für die göttliche Funktion von Poesie für die Wiederherstellung der Welt. Was Musik betrifft, so bin ich momentan von alter amerikanischer Volksmusik aus den Appalachen mit ihrer eindrucksvollen Schönheit sehr begeistert. Ich vermute mal, als Amerikaner, der beobachtet, wie sich der Zustand seines Landes immer mehr verschlechtert, hilft es mir, eine Art „heimliches Amerika“ zu entwerfen, welches sich stark von der heutigen Oberfläche der Dinge unterscheidet.

? Ist Musik eskapistisch? Ist eure Musik eskapistisch?

J.: Natürlich kann Musik eskapistisch sein. Der größte Teil der Mainstream-Musik wurde als eine Art Süßigkeit zum Anhören hergestellt, eine intellektuelle Auszeit, die intellektuell leer ist. Etwas, bei dem der Zuhörer nett mitsummen oder unoriginell Fantasien ausleben kann. Ich möchte aber hinzufügen, dass ich der Ansicht bin, dass es einen Unterschied gibt zwischen eskapistischer Kunst und Kunst, die eine „escape route“, einen Fluchtweg, aus der simplen, alltäglichen Welt bereitstellt. Ich würde es niemandem vorwerfen, wenn er danach strebt, aus dieser faden und banalen Oberflächlichkeit zu fliehen, die heutzutage den größten Teil der normalen Gesellschaft und deren Uhrwerkwelt ausmacht. Ich glaube, dass Kunst in der Lage ist – auch wenn sie dies wohl zu selten wirklich tut – Einblicke in eine bestimmte Welt zu bieten, was wiederum eine Initiation in diese Welt hinein bieten kann. Dies soll ausdrücken, dass man niemals nicht von etwas, das man erlebt, betroffen ist. In der Tat ist man niemals von etwas getrennt, das man erlebt; daher enthält eine ästhetische Erfahrung das Potential, einen Reorientierungspunkt zu bieten. Das meine ich jetzt nicht auf eine abstrakte und pompös theoretische Art, sondern recht konkret. Wenn uns etwas herausfordert, uns die Orientierung nimmt und nicht sofort das gibt, was wir erwarten, kann dies eine sehr positive und starke Angelegenheit sein. Natürlich ist das Ideal hinter dem, was heutzutage als Pop Musik gilt – wenn man überhaupt von irgendwelchen Idealen hinter vielen der abgedroschenen Klänge sprechen kann, die durch den Äther geistern – den Erwartungen zu entsprechen, von denen die Hörerinnen und Hörer gesagt bekommen, dass sie sie haben. Alles muss angenehm, unmittelbar zugänglich und eskapistisch auf völlig uninspirierende Art und Weise sein. Ich kann natürlich nicht sagen, wie unsere Hörerinnen und Hörer unsere Musik erleben – das hängt an denen. Ich denke aber schon, dass man passendere Bands als LUX INTERNA finden könnte, wenn man nur hörbare Inhaltslosigkeit oder eine nette Abwechslung sucht. Ich kann nur hoffen, dass unsere Musik für einige aufbauend ist, und dass sie, ohne dabei einfach eskapistisch zu sein, Spuren hin zu einem Fluchtweg bietet, für all jene, die Ohren haben (dies) zu hören. Um zu paraphrasieren, was J.G. Hamann mal gesagt hat: Hinter den Zeigern der Uhr ist eine Apokalypse – dieser Apokalypse/ Offenbarung möchte ich mit der Musik von LUX INTERNA eine Stimme geben.

? Lass mich nach diesen sehr interessanten und ausführlichen Erklärungen noch einmal zu der Musik aus den Appalachen kommen: Wird diese Faszination Konsequenzen haben, die wir auf dem nächsten LUX INTERNA Album hören können? Wann können wir überhaupt mit der nächsten Veröffentlichung rechnen?

J.: Ich glaube, ich kann schon sagen, dass man dies unserer zukünftigen Musik anhören wird. Wir sind mittendrin in der Arbeit an neuem Material und ich bin mir sicher, dass diese alte Musik meines Heimatlandes die neuen Songs verzaubern wird. Als Kind verbrachte ich während der Sommer die meiste Zeit in den Gebirgsausläufern der Appalachen und in jüngster Zeit sind die Klänge und Erinnerungen an diese Berge und die Kultur, die sie formten, wieder in mir aufgestiegen. In der Musik, die in diesem Teil Amerikas geboren worden ist, gibt es etwas, das eine große Bedeutung für mich hat. Ich bin mir immer noch nicht sicher, wohin mich diese Wiederentdeckung führen wird – aber bis dahin folge ich meinem Herzen, wie immer. KATHRYN und ich arbeiten außerdem auch noch an einem Projekt außerhalb von LUX INTERNA… aber es ist zu früh, darüber viel zu sagen.

? Möchtest du was zu den diesjährigen Wahlen in den USA sagen? Wählst du in Holland?

Joshua: Gott hilf Amerika. Das Regime muss auf jeden Fall weg – das ist das Beste für die Welt und auch für Amerika. Da bin ich mir sicher. Ich bin andererseits kein Mann, der großes Vertrauen in die Politik oder die Lösungen, die sie momentan anbietet, setzt, glaube aber, dass diese Wahl sehr interessant sein wird. In der Tat müssen sich die Dinge ändern… wir werden sehen, ob sich wirklich etwas ändert.

? Ihr integriert deutsche Passagen in eure Musik – ehrlich gesagt ist diesbezüglich „Blossom“ einer der besten Songs, die ich kenne. Erwartest du von euren Hörern, dass sie eure Texte verstehen? Ich meine, ich kann ja hier nur „für“ Deutsche sprechen, die es ja gewohnt sind, Musik mit Texten zu hören, die sie nicht ohne Weiteres verstehen, aber gab es auch schon Reaktionen von beispielsweise Amerikanern, was die deutschen Texte angeht? (Und die dabei feststellen mussten, dass nicht alle deutschen Wörter wie „Ram(m)stein“ klingen. ;) )

J.: Danke für die netten Worte! Ich mag die deutsche Sprache sehr und bin seit einiger Zeit sehr von etlichen Autoren beeindruckt, die sich in ihr ausdrücken. Von Eckhart bis hin zu Celan, es gibt so viele Schriftsteller, die auf Deutsch schreiben, die einen ganz besonderen und prägenden Platz in meinem Inneren haben. Lyrik zu übersetzen ist eine furchtbar kniffelige und schwierige Angelegenheit. Daher habe ich mich dafür entschieden, sofern es möglich ist, die Gedichte, die wir in unsere Musik integrieren, in ihrer ursprünglichen Sprache zu belassen. Schließlich hat jede Sprache ihre eigene Daseinsart, denn Sprache ist – und hier schließe ich mich Heidegger an – das Sein selbst. In dieser Hinsicht ist Lyrik am nächsten an der Natur von Sprache dran, da sie sich weigert, lediglich auf einer ’technischen’ Ebene zu kommunizieren: Lyrik wird nicht verbraucht, wenn sie ausgesprochen wird. Viel eher ist sie eine in sich geschlossene und sich selbst genügende Welt. Das Gedicht spricht nur sich selbst. Ich bin mir echt nicht sicher, wie die deutschen Texte bei Zuhörern ankommen, die sie nicht verstehen. Andererseits, sogar wenn man die Wörter nicht versteht, Sprache agiert trotzdem als bezeichnende Instanz („signifier“), auch wenn sie vielleicht nur die Verweigerung bezeichnet, sich verständlich auszudrücken. Ich stelle mir vor, dass das wie eine undurchsichtige Stelle aus Klang in der Musik sitzt. In dieser Hinsicht ruft es schon etwas hervor, aber wahrscheinlich auf eine nicht intendierte Art und Weise.

Vielen Dank für deine Fragen. Es war eine Freude …

? Ich danke auch.

Interview+Fotos: Michael Flach