AIDAN BAKER WITH PLURALS – Glass Crocodile Medicine (CD/12")

Latitudes hat diese 12“/ CD-Serie im (paradoxerweise) personalisierten Einheitscover mit mittlerweile aufwendigen Cut-outs und Hinterklebungen (Vinyl) und tricky Faltverschluss (CD). Um dort zu veröffentlichen, muss im labeleigenen Studio das Material exklusiv aufgenommen werden und „Taped As Played“ noch am selben Tag fertig bearbeitet werden. Ein etwas rauerer Charme und Direktheit stehen so im Vordergrund und werden auch so auf die Tonträger gepresst. In den meisten Fällen darf ein Künstler, egal in welcher Konstellation, an dieser Serie nur einmal teilnehmen, Aidan Baker ist es vergönnt, als einer der wenigen Ausnahmen nach „Sky Burial“ mit Nadja zusammen mit Plurals eine weitere Veröffentlichung einzuspielen. Herausgekommen ist ein 2-Tracker dieser Art von Aidan Baker-Kollaborationen, die auch diese Hörer zufriedenstellen sollte, die eigentlich keine Kollaborationen hören wollen, sondern Aidan Baker solo. Dabei geht es nicht darum, den Anteil von Plurals, Aidan Bakers Tourmates und Sessionpartner zum Aufnahmezeitpunkt zu negieren. Der über allem stehende Sound, nicht als „bloßer“ Rahmen, vielmehr wie ein sehr ausgedehnter dreidimensionaler Raum ist so allgegenwärtig und so sehr in dem flächenhaft warmen Kosmos von Aidan Baker verankert, dass alle weiteren darin enthaltenen Details und Ergänzungen einfach dahinter zurückstehen müssen. Zumal sie in weiten Teilen so klingen, als ob sie auch von ihm eingespielt sein könnten. Dies wird, vermutet, natürlich nicht so gewesen sein; offensichtlich liegt (oder lag zum Tag der Aufnahme) das Soundverständnis der Kollaborationspartner sehr eng beisammen und die Tatsache, dass Aidan Bakers Gitarre bei „Dead Foxes In The Middle Of The Street“ mit ihrer weitstreichenden Fläche sowieso die gesamte Spielwiese vorgibt und in „Turning Children Into Mice“ das gleiche mit anderen Mitteln, nämlich einer verführerisch soghaft taktierten und geloopten Gitarre, die geradewegs dem 2008er Meisterwerk „Book Of Nods“ entnommen sein könnte, unterstützt diesen Eindruck natürlich nur zu massiv. Innerhalb beider Stücke passiert dann eine Vielzahl von Soundschnipseln, Verdichtungen, Kurzmelodien; alles ohne den einmal gesetzten Sound auch nur angreifen zu wollen. Die Stücke bleiben als wahre Soundmonolithen stehen, die Hörer quasi aufsaugend. Und als Beispiel für die Kraft von Inspiration, wenn es denn gelingt, deren Ergebnis so direkt und unverfälscht einzufangen wie hier.

(N)