TROUM & AIDAN BAKER – Nihtes Niht (CD)

„Nihtes Niht“ ist das, was Kollaborationen gerne versprechen, aber selten einlösen: die Multiplikation von Qualität. Wie oft klingen Kollaborationen zwar irgendwie interessant, aber auch irgendwie nur wie halbe Kraft; wie: da wäre doch mehr möglich gewesen. Oder sie klingen so sehr nach dem einem der teilnehmenden Partner, dass folgerichtig die Frage auftaucht, was der andere eigentlich beigetragen haben könnte. Vielleicht eine Frage von gegenseitigem Respekt, vielleicht von Inspiration, wer weiß.

„Nihtes Niht“ dagegen löst alle seine Versprechen ein; mehr noch, überrascht durch einen auch bei intensiver Kenntnis beider Partner unerwarteten Sound. Und auch wenn die Troum + Nadja Kollaboration „Dominium Visurgis“ in 2010 bereits auf ganzer Linie überzeugen konnte, „Nihtes Niht“ geht da noch weiter, ist noch intensiver. Da ist zunächst, von Anbeginn, der gespenstische Grundtenor der Atmosphäre. Da ist ein Sound, der nicht vordergründig Troum und (erst Recht) nicht vordergründig Aidan Baker ist: die gleichzeitig sphärisch verwehten wie düsteren, bogig ineinander greifenden Motive entwickeln vier auf eine Art Antihimmelsrichtungen (so verstehe ich das zumindest) bezogene Interpretation von einem isolierten Dasein in einer Eiswelt. Und obwohl sowohl Troum als auch (und eigentlich besonders) Aidan Baker alles andere als für einen kalten Sound stehen: hier gelingt es ihnen. Nicht kalt im negativen Sinne, abweisend von vornherein. Vielmehr eine Kälte, die ein Versprechen in sich trägt, dass darunter, unter der Kälte noch etwas ist. Etwas magisches, verlockendes, eine Erfüllung. Und das macht den Sog dieser vier Stücke aus. Aufgebaut auf einer inneren Spannung, unter Verzicht auf durchgehende, erkennbare Melodien, die gleichwohl dauernd anwesend zu sein und am Ende, auf „Ostan“ wie ein Chor zu rufen scheinen. Weit weg von jeder Stagnation auf hohem Niveau (wie man es von Künstlern wie Troum oder Aidan Baker mit ihrem hohen Output durchaus auch einmal erwarten könnte), weit weg von jeder Form des Abspulens bekannter Motive: atmosphärisch und packend, verlockend und verstörend zugleich. Perfekt.

PS: In einem unglaublich aufwendigen Cut-Out/ Falt-Cover mit einer Unzahl an Bildkarten…

(N)