MITTAGEISEN – 1981-1986 (2CD)

Nach der überaus empfehlenswerten GRAUZONE-Retrospektive „1980-1982“ veröffentlicht das kleine Schweizer Label Mital-U in identischer Ausführung als Doppel-CD im Digipack und mit dicken Booklet die Werkschau der Band MITTAGEISEN. MITTAGEISEN waren Anfang der 80er Jahre nicht nur bei der Namensgebung von SIOUXSIE & THE BANSHEES beeinflusst (welche jener Zeit ihre Inspiration für die Single „Metalpostcard/Mittageisen“ von einer berühmten Fotomontage des Dada-Künstler John Heartfield holten), sondern auch musikalisch hat der karge Sound des Post Punk damals in der Schweiz seine Spuren hinterlassen. Die Band um Bruno Waser (ebenfalls der Mann hinter Mital-U) kombinierte jammernde Gitarren, grummelnden Bass, düstere Synthie-Klänge und trockenen Drumcomputer-Rhythmus mit deutschsprachigen und vor allem ausdrucksstarken Texten. Das erinnert musikalisch natürlich an frühe SISTERS OF MERCY und THE CURE, aber durch den deutschen Gesang wurde das Ganze zu etwas ganz eigenen. Heute nennt man so etwas Dark oder Cold Wave und ihr erstes wie einziges Album aus dem Jahre 1983 wurde zu einem Klassiker für Kenner des Genres. Die zwei Jahre später folgende Maxi „Automaten“ erhielt dann sogar den Ritterschlag durch John Peel, wenn auch der Sound da schon mehr in Richtung Minimal Electro/Synth Pop tendierte. Kurz darauf trennte sich die Band und abgesehen von einem gescheiterten Versuch, 1998 als MITTAGEISEN V.2 in der Techno-Szene Fuß zu fassen, gerieten MITTAGEISEN fast in Vergessenheit. Mital-U steuert dem jetzt entgegen und auf der Doppel-CD „1981-1986“ sind alle Tracks der LP und 12“ im liebevoll remasterten Klang versammelt. Als Bonus enthält das auch optisch ansprechende Package noch 6 bisher unveröffentlichte Songs, die instrumental zum Teil voll in die SISTERS OF MERCY-Kerbe schlagen. Eine perfekte Gelegenheit, sich mal wieder mit dem grauen Sound des „kalten Krieges“ zu beschäftigen und insbesondere natürlich die Möglichkeit, das komplette Oeuvre von MITTAGEISEN sich handlich ins Regal zu stellen. (Marco Fiebag)