TRUST – TRST (CD/LP)

Das ist mal eine Überraschung, da dachte ich doch glatt zuerst an den  Travestiestar DIVINE oder Poptitan FANCY aus den 80er Jahren – sowohl beim Coveranblick und den ersten Klängen der neuen CD von TRUST – aber weit gefehlt, es handelt sich hier um den so genannten Elektro Pop verbunden mit Doom Gothic von Robert Alfons aus Toronto, man kann eben für alles eine Schublade erfinden. Die Musik von TRUST könnte aber auch der Score zu Filmen wie „Schweigen der Lämmer“, “Black Swan“, “Sieben“ und Co. gewesen sein, diese teils mysteriösen, nebulösen sowie morbiden Klänge jagen einem ab und zu einen wohligen Schauer über den Rücken.  Wiederum haben TRUST ein gutes Gespür für düstere, eingängige, schwelgerische Popsongs. Die ohrwurmartigen Tracks beinhalten thematisch fast alles, was irgendwie nicht von dieser Welt zu sein scheint: Depressivität, Zerstörbarkeit, Leidenschaft – aber auch Melancholie und Hoffnung mit großem Melodrama,  hier tickt musikalisch alles kreuz und quer. Vor allem die Verbindung aus dem trivial Geltenden mit einem ohne Pathos daherkommenden Limbo macht diese Platte von TRUST gerade so richtig interessant und spannend. Die Klänge und ihre Thematik in ihrer unmittelbaren Umsetzung entziehen sich meines Erachtens komplett allen Kategorisierungen, da die Sounds und Stimmen pure Widersprüchlichkeit hervorrufen, es ist zwar irgendwo Dunkel, aber am Horizont tauchen dann und wann doch wieder bizarre Sonnenstrahlen auf, wie ein Licht in dunkel, schwerer Nacht. Die glamourösen Sounds von TRUST bieten blubbernden Elektrosound und glitzernde Keyboardflächen, alles eingehend homogen, aber gleichzeitig auch recht distanzierend produziert. Die Gesangsstimme von Robert Alfons auf dem selbstbetitelten Album mit 11 Tracks schwankt zwischen kehlig, quäkend und dunkel androgyn, einfach Catchy Cyborg Songs in Perfektion! Die Toptracks sind  “Dressed For Space“, “Bulbform“, “Gloryhole“, “Sulk“, “Heaven“ – mein ultimativer Kauftipp für alle „angepoppten“ Gothics.

(S.Ericksen)