RAPOON – Seeds In The Tide Volume 1 (2CD)

Das polnische Label ZOHARUM fiel in den letzten Jahren u.a. durch qualitativ hochwertige Neuauflagen u.a. von Kultalben von Künstlern aus dem Postindustrial- und Experimentalkontext wie HYBRYDS oder MAEROR TRI auf. Darüber hinaus bietet das Label eine Plattform für eine ganze Reihe exzellenter Soundtüftler mittel- und osteuropäischer Provenienz. Robin Storeys Projekt RAPOON feierte 2012 20jähriges Jubiläum. Seine Entscheidung für die Veröffentlichung von „Seeds In The Tide Volume 1“ überrascht angesichts des Engagements von ZOHARUM kaum.  „Seeds In The Tide Volume 1“ besteht aus zwei CDs: „Keepsakes and Oddities from 1993-1999“ ist eine Sammlung von Sampler-Beiträgen und Single-Auskopplungen aus dem genannten Zeitraum und zeigt zugleich die Bandbreite der Arbeit von RAPOON auf. Ein Blick in die Linernotes verdeutlicht, dass Storey in den 1990er Jahren ein gefragter Mann war. Der intensive Opener „Fallen Gods“, „Amuzg“ und „Birethen“ stammen von Singles, während die restlichen neun Beiträgen auf verschiedenen Compilations u.a. bei HYPNOTIC, SOLEILMOON, SYNTACTIC oder NOISE MUSEUM erschienen sind. Die Auswahl auf „Keepsakes and Oddities“ ist trotz einer rein chronologischen Ordnung überraschenderweise äußerst stimmig, lässt Storeys musikalische Entwicklungen nachvollziehen, jedoch ohne dabei in Stückwerk zu zerfallen. Beim ersten Durchhören musste ich an DEUTSCH NEPAL denken: repetitive Rhythmen, eingebettet in nie überladen wirkende Soundscapes aus modulierten Synth-Flächen, Field Recordings und intelligentem Sampling. Grund für diese Parallele liegt aber in den starken Bezügen sowohl von RAPOON als auch DEUTSCH NEPAL zu Krautrock-Veteranen wie AMON DÜÜL, CAN oder – wie das Label uns wissen lässt – KARL HEINZ STOCKHAUSEN. Die zweite CD, „Messianic Ghosts Originals“ erschien 1997 als auf 50 Exemplare limitierte CDr bei SYNTACTIC und zeigt RAPOON von einer eher ambientlastigen Seite, die im direkten Vergleich mit „Keepsakes and Oddities“ einerseits, mit dem später regulär veröffentlichten „Messianic Ghosts“-Album etwas unspektakulär ausfällt. Für Komplettisten ein zusätzlicher Anreiz, für Fans der oben genannten Künstler ist „Keepsakes and Oddities“ allein schon einen Kauf wert.

(APL)