PHILIP GLASS – Rework_Remixes (2CD/2LP)

Doppel-LP beziehungsweise Doppel-CD mit Bearbeitungen von Philip Glass-Tracks, initiiert von Philip Glass selbst und geleitet durch Beck (der natürlich auch selbst eine Bearbeitung vorlegt; die mit Abstand längste, nebenbei). Insgesamt 12 Stücke werden vorgelegt; im einzelnen sind das (in der Klammer die Bearbeiter): „Music In Twelve Parts – Part 1 (My Great Ghost)“, „Rubric Remix (Tyondai Braxton)“, „Knee 1 Remix (Nosaj Thing)“, „Alight Spiral Snip (Dan Deacon)“, „Warda’s Whorehouse Inside Out Version (Amon Tobin)“, „Etolie Polaire: Little Dipper (Silver Alert)“, „Floe ’87 Remix (Memory Tapes)“, „Opening From Glassworks Remix (Cornelius)“, „NYC: 73 – 78 (Beck)“, „Protest Remix (Jóhann Jóhannsson)“, „Mad Rush Organ Remix (Pantha Du Prince)“, „Island Remix (Peter Broderick)“.

Natürlich ist Philip Glass bekannt; sehr bekannt; seit Jahrzehnten unterwegs, mit einer gigantischen Diskografie und, als Meister des repetitiven Kurzmotivs, über einen ganz eigenen Stil in die Musikgeschichte eingeschrieben. Nichtsdestotrotz ist er für mich, was das Wissen über ihn und sein Werk angeht ein nahezu unbeschriebenes Blatt, ganz einfach, weil ich ganz offensichtlich immer andere Musik gehört habe. Philip Glass-Experten mögen mir das Folgende daher bitte verzeihen (oder eben nicht) oder sich ihre eigene, profundere Meinung bilden; dies hier ist mehr ein Hinweis, weniger ein Review (weshalb ich auch darauf verzichte, die Qualität von Original und Bearbeitung zu vergleichen; aber zumindest Philip Glass selbst wird mit dem, was letztlich erarbeitet wurde wohl zufrieden gewesen sein; vermutet: sonst hätte es bestimmt keine Veröffentlichung gegeben).

Die ersten drei Bearbeitungen stecken das (von mir insgeheim erwartete) Feld der rhythmusbetonten Reworks ab; mit Blick auf die Trackhaftigkeit und den „Loopcharakter“ vieler seiner Stücke eine genauso naheliegende wie erfolgversprechende Idee. Auch „Alight Spiral Snip“ scheint im Original ein solches Stück zu sein, Dan Deacon verzichtet aber auf einen rhythmusbetonten Ansatz und scheint allein den Loopcharakter betonen zu wollen; mit wirklich hypnotischer Wirkung; Amon Tobins Bearbeitung gleicht dagegen schon fast einer Dekonstruktion mit ganz bewusst verstolperter Rhythmik. Den Abschluss sowohl der ersten CD wie der ersten LP liefert Cornelius, dessen Eingriffe in das reine Pianostück ich aufgrund der oben benannten Gründe schlicht nicht einschätzen kann; möglicherweise hat er aber dieses Stück auch erst aus einem (ursprünglich wesentlich kürzeren) Original zusammengefügt.

Das (zumindest in seiner Länge) den Kern der ganzen Veröffentlichung bildende Stück ist das collagenhafte, sich mehrfach von Grund auf verändernde, aber stets doch im Fluss bleibende „NYC: 73 – 78“ von Beck, während Jóhann Jóhannsson’s Bearbeitung das Original geradezu zu „islandifiziern“ scheint (positiv gemeint). Pantha Du Prince schließt den Kreis zum Anfang mit einer sehr clublastigen Bearbeitung, nicht ohne einige Breaks einzubauen, die den Anschein erwecken, einem Cut-Up zuzuhören (und wieder: positiv gemeint). Und schließlich der Auslauf mit Peter Broderick zwischen Stillstand und Aufbruch…

(N)