GUDRUN GUT – Wildlife (LP/CD)

Das hätte sicher die ehemalige Mauerstadtpflanze Gudrun Gut selbst nicht mal im Traum für möglich gehalten, als ehemaliges EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN-Gründungsmitglied und zum Anfang der 80er weltweit mit MALARIA! erfolgreiche Szene-Frau aufs Alter hin die Landflucht aus Berlin anzutreten. Seit einigen Jahren besitzt Gudrun Gut nämlich einen Landsitz mit großen Garten in der Uckermark, die in den letzten zwei Jahrzehnten mit ihrem Label Monika Enterprise und ihrem Medienübergreifenden Projekt OCEAN CLUB fest im elektronischen Szenepool von Berlin verankert ist. Zuletzt punktete sie mit der GREIE GUT FRAKTION (zusammen mit Antye Greie-Fuchs von AGF) bzw. dem „Baustelle“-Zyklus und nun folgt mit ihrem gerade mal zweiten richtigen Solo-Album der Rückzug in die Natur. Jedoch nur thematisch, denn der Sound der insgesamt 11 Tracks wird deutlich von kühlen wie minimalen House-Beats bestimmt, die herrlich federnd und mantrahaft sind, wie man es auch sonst von Gudrun Gut und ihren vielen Projekten kennt. Allerdings ist die Stimmung schon etwas entspannter und von dem Leben an der Schnittstelle zwischen Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern bestimmt, welches Gudrun Gut gewohnt hypnotisch-distanziert in knappe klare Wort-Reime fasst. Und dann ist da noch ihre so markant lasziv wie unbeteiligt klingende Stimme, die auf mich so ungemein erotisch betörend wirkt und welche über den pochenden Beats das i-Tüpfelchen setzt. Selbst die Tina Turner-Coverversion „Simply The Best“ fügt sich da nahtlos in den stringenten Album-Fluss irgendwo zwischen Detroit-Techno, Club-Musik und Indietronics ein, auch wenn diese Wahl aus den Niederungen der 80er Charts etwas mehr als verwundert. Die Auskopplung „Garten“ eignet sich dafür perfekt als Anspieltipp bzw. ist absolut repräsentativ für „Wildlife“ und erinnert sogar irgendwie an gute alte MALARIA!-Zeiten. Dieses Album ist cool, Gudrun Gut ist cool und Gartenarbeit sowieso! (Marco Fiebag)