SHRINE – Somnia (CD)

Die Tage werden kürzer und vor allem dunkler und schwerer, da kommt mir das esoterische Ambient Projekt SHRINE vom introvertierten Künstler Hristo Gospodinov genau richtig. Diese zutiefst meditativen Klänge der Platte namens „Somnia“ sollen die obskure Welt von Hristo in nonverbaler Weise auszudrücken. Und lässt man sich einmal darauf ein, lässt sie einen nicht mehr los. Die acht organisch, fließenden Tracks mit einer Gesamtspielzeit von guten 54 Minuten nehmen den Hörer auf eine wundervolle musikalische Entdeckungsreise mit.

Das Grundkonzept von Hristos Klängen basiert auf dem Dark Ambient Mitte der 90 Jahre und dem Experimentieren mit Natursounds und Maschinengeräuschen. Thematisch präsentiert uns die „Somnia“ CD eine Komplexe Audio Metapher – das Ganze sollte als klangliches Gesamtkunstwerk einer Lov Level Luzide – also Traumzuständen – verstanden und interpretiert werden, vielleicht sogar eine andere Art der Bewusstseinserweiterung. In den Träumen von Hristo allerdings ist sich der Träumer nicht voll bewusst, dass er träumt, hat aber immer noch die Fähigkeit, den Traum zu kontrollieren. Ist das nicht ein genereller Traum der Menschheit schlechthin? Basierend auf der Verarbeitung mehrerer Schallquellen erkundet man die Thematik eigenständiger Kompositionen und mehrerer imaginärer Wirklichkeiten. Man wird also mit einer Trance – Luzide ähnlichen Erfahrung konfrontiert, in der audiovisuelle Klänge dominieren. Der Sound stellt einen erweiterten Elementen-Mix aus Ambient, Akustik und Naturgeräuschen dar. Jene Symbiose aus wallenden Klangwelten und essentieller Naturmystik wirkt faszinierend. Beim ersten Track beginnt die Reise gleich mit dem Element Wasser, das an ein Ufer perlt und mit leisem Vogelgeschrei untermalt wird. Die sanften, synthetischen Töne erklimmen hierzu immer höhere Sphären. Im zweiten Song wiederum startet es mit prasselnden Regen und bedrohlichen, halligen Ambientklängen. Die weichen Melodien bestechen immer wieder durch ihre Abwechslung und Umsetzung, ob es wie beim vorletzten Track mit Windgeräuschen und wiederkehrenden, luftigen Ambientharmonien ist oder beim letzten Song, der anscheinend eine Art Soundtrack mit bedrückender Klangkulisse zu einem noch nicht existierenden Film darstellen soll.

Die Klänge von SHRINE sind fast filigran überirdisch kreiert und laden geradewegs zum Abheben ein. Meine Winterempfehlung für alle Träumer und solche, die es werden wollen. SHRINE: Tauche ein, in den Reiseführer deiner Träume.

(S.Ericksen)