LED ER EST – The Diver (CD/LP)

Wie heißt die Band? Lederrest? Spontan fühle ich mich an einschlägige Frauenzeitschriften erinnert, die beflissene Hausfrauen animieren, aus alten Stoff- und Lederresten noch etwas Hübsches zu zaubern; etwa einen Flickenteppich für die Wand oder den Flur, damit nur ja keine wertvollen Fetzen verkommen. Das hat natürlich gar nichts mit der Band zu tun, die ich hier besprechen soll – oder? Gut, die heißt (zugegebenermaßen) schon mal LED ER EST; nicht zusammengeschrieben und ohne Doppel-R da, wo es wichtig wäre. Ansonsten stelle ich aber schnell fest: Das Bild des Stoffreste-Pastiche ist doch nicht so an den Fransen herbeigezogen, wie´s zunächst aussah. LED ER EST ist ein Elektro-Projekt, das auf „The Diver“ (tanzbare) Sounds zusammenstellt, die man allesamt schon zu kennen meint: THE CURE und JOY DIVISION, was den Gesang betrifft, frühe DEPECHE MODE und WOLFSHEIM in der musikalischen Untermalung, und eine gute Portion Ernsthaftigkeit und Schwermut von überall dort, wo SARAH CONNOR noch nie vorbeigeschaut hat. Synthie-Soundscapes gehen in synthetische Drum-Patterns über, die nicht gerade vor Komplexität strotzen. Das hinterlässt insgesamt dann doch einen etwas faden Nachgeschmack, schließlich haben RADIOHEAD auf „Kid A“ und „Amnesiac“ schon vor etlichen Jahren gezeigt – genau wie Thom Yorke mit seiner Soloplatte „The Eraser“ – dass man mit Synthesizern auch heutzutage noch auf klischeefreie Weise ernsthaft, düster und teilweise sogar tanzbar sein kann. Muss man dann wie LED ER EST derart in die Elektrofalle tappen, die die Lieferanten der hier zusammengestückelten Stofffetzen in den Achtzigern ausgelegt haben? Müsste man nicht, tut man hier aber, weshalb die fertiggestellte Textur zwar nicht gleich wieder aufgeribbelt werden muss, aber nur den zweiten Platz belegen kann, was Originalität und Eigenständigkeit angeht.

(M.Reitzenstein)