MIGNON – Kiss Of Death (CD)

Die Story der Berlinerin MIGNON reicht zurück bis ins Jahr 2001,als sie als Performer und Sängerin mit PEACHES unterwegs war und beide ein ähnliches Verlangen danach verspürten, ihr Publikum zu schockieren, indem sie bewaffnet mit Schminke und Rauchbomben, mit blutverschmierten Krankenschwesteroutfit, unechten Messern sowie brennenden Lederhosen die Bühnen enterten. Des Weiteren teilte man in den letzten Jahren mit vielerlei Hochkarätern wie TRAIL OF DEAD oder QUEENS OF THE STONE AGE die Bühnen dieser Welt. Inwiefern das nach sämtlichen Schockrockerklischees der letzten 40 Jahre Rock´n Roll Business noch wild und schockierend wirkt, das sei an dieser Stelle mal dahingestellt, da ja die Musik hier das entscheidende Kriterium ist und diese mit vielerlei Schmackes sämtliche Einflüsse verarbeitet.

Dem Album kann man eine große Bandbreite, Abwechslung und Kurzweiligkeit attestieren, variieren die Einflüsse und Stimmungen von Song zu Song schon sehr sprunghaft, so dass man den Eindruck gewinnt, hier möchte jemand SIOUXSIE, B´52s, Monica Richards, PJ Harvey zu einem musikalischen Nenner vereinen, schreit und schmachtet sich Riot-Girl MIGNON in den knapp 35 Minuten  durch ein Gebräu aus Batcave, Punk, Grunge und Metalriffs, was als Orientierungslosigkeit einerseits, oder andererseits auch auf eine große Stiloffenheit  schließen lässt. Vom frischen Rockn-rolligen Opener “Gimme“, der wie die Reinkarnation Joan Jetts anmutet, über das düster Rockabilly-like “Hot Love“ zum absoluten Ohrwurm “Assassin“,der böse Widerhaken im Ohr erzeugt. Hier zeigt sich MIGNON von einer sehr melodiösen Seite, klingt hymnisch nach großen modernen Indierock meets 80er Postpunk, der Radiodauerbrennerqualität hat. Das folgende “Danger“ wiederum lebt von grungy heavy Metalriffs, die mit der vorrangig leicht punkig, hysterischen Vortragsweise MIGNONs kombiniert ein dreckiges Stück Rock hinterlassen.“Runaway“ ist dann wieder so ein Rockabilly Uptempo-Ohrwurm, der hochmelodisch einfach nur Spaß macht, während das dann folgende dreckig wild intonierte “Fist In Your Face“ Geschmacksache bleibt, wird hier wütend, fast hardcorelastig geschimpft und mit vielen Rockklischees herumhantiert…nicht des Rezensenten sein Ding. Hat man sich davon erholt, folgt zur großen Überraschung mit “Kiss Of Death“ wieder so ein böser, gemeiner Ohrwurm,d er herrlich 80´s lastig melodiöse Postpunk-Riffs mit angesagter Indiepopgeschmeidigkeit eigentlich ein Radiohit sein müsste (in einer gerechten Welt).Um den Hörer den Schmalz aus den Ohren zu pusten, wird in den nächsten beiden Powerrock-Tracks “Pirate“ und “Scream“ wieder Uptempo mit viel Melodie aufgefahren, das dann auch wieder wild im Gesang vorgetragen. Mit den beiden Rausschmeißern “Jury Of The Damned“ (Midtempo-Rocker) und dem balladigen verspielten “Santa Muerte“ endet dieser wilde, nach Liveabenden lechzende Trip durch MIGNONs Welt.

Frech, wild, provozierend – aber letztlich durch Verwenden vieler bekannte Rockklischees in Sound und Text bleibe ich als Rezensent 50/50, wirkt das Ganze zwar sympathisch, ist aber die Riot-Grrrl-Atmosphäre nicht so des Rezensenten Ding. In jedem Fall sind einige nette 80´s Gothpop, Postpunk lastige Smasher verewigt worden, die einen kurzweiligen Hörspaß garantieren.

(R.Bärs)