CONRAD SCHNITZLER – Container T1 – T12 (8LP-Box)

Die 100. Veröffentlichung von Vinyl On Demand sieht nicht nur aus wie ein Grabstein, sondern ist auch genau so schwer und wirklich eine postume Würdigung eines musikalischen Genies. Conrad Schnitzler starb vor rund einem Jahr am 04.08.2011 an den Folgen von Magen-Krebs und der ehemalige Schüler von Joseph Beuys hinterließ der Nachwelt einen kaum überschaubaren Audio-Nachlass, der noch jahrelang aufgearbeitet werden kann. Als Mitbegründer der Bands KLUSTER und TANGERINE DREAM war er einer der ganz wichtigen Pioniere des deutschen Krautrock, deren Alben „Klopfzeichen“, „Zwei – Osterei“ und „Electronic Meditation“ große Klassiker dieses Genres sind. Allerdings war seine zum Teil atonale Arbeitsweise und der sperriger Geist nie so richtig im Gruppen-Kontext vereinbar und so wurde aus Conrad Schnitzler ein manisch-besessener Solo-Künstler, welcher seine Musik in völliger Eigenregie veröffentlichte. Zwar verschloss er sich nicht weiteren temporären Kollaborationen oder Veröffentlichungen auf anderen Labels, aber sein Hauptwerk besteht zum großen Teil aus unzähligen Tapes und CD-Rs im Eigenverlag. Vinyl On Demand macht mit „Container T1 – T12“ nun eine 6xMC-Box auf Vinyl wieder zugänglich, die damals 1983 streng limitiert auf Transmitter Cassetten erschien und Material der Jahre 1971 bis 1983 enthielt. Ganze 8 LPs, unterteilt in 4 Doppel-LPs im Fold Out-Covern, füllen die mächtige Box völlig aus, so das gerade noch das obligatorische Zertifikat und für die VOD-Records-Mitglieder exklusive Single darin Platz findet. Nach dem intensiven Hören der ersten 7 LPs am Stück war ich körperlich völlig zerschlagen und mein Hirn nahezu neutralisiert, denn was Conrad Schnitzler hier aufbot, nahm im Grunde Industrial, Drone und Techno vorweg. Auf den meist ohne Pause ineinander übergehenden Tracks holt er alles aus der analogen Gerätschaft heraus, was seiner Zeit möglich war und wohl auch darüber hinaus. Hören mit Schmerz hat man später dazu gesagt und gerade hier zeigt sich wieder einmal der Pionier-Geist des Künstlers, welcher übrigens zeitweise ähnlich geschminkt wie Klaus Nomi agierte und der Legende nach sogar damit Euronymous von den Black Metal-Vorreitern MAYHEM beeinflusst hat, die wiederum für das markante „Corpsepaint“ der Szene verantwortlich sind. Auf der letzten LP gibt es dagegen fast schon poppige bis richtig lustige Songs mit Gesang im Stile von PALAIS SCHAUMBURG, FOYER DES ART und DER PLAN zu hören und Titel wie „Der Haifisch ist sein Eis im Cadillac“, „Nachts im Wald das lässt die Geister kalt“ oder „Türkisch Mann – Bauchtanz“ sprechen eigentlich für sich. Die Bonus-Single für die Member schlägt in die gleiche Kerbe und bietet 5 Tracks der Kollaboration von Conrad Schnitzler mit Wolfgang Seidel (KLUSTER), die 1980 auf dem „Sequenza“-Tape auf Stechapfel veröffentlicht wurde. Beeindruckend, faszinierend, aber auch anstrengend das Ganze! Die Box ist auf 500 Stück limitiert, das Vinyl wie immer bei VOD-Records sehr sauber gepresst und der Haptik wird, wie Eingangs schon erwähnt, ebenfalls reichlich genüge getan. R.I.P. Conrad Schnitzler! (Marco Fiebag)