V/A – Thanateros: Visions Of Love & Death (2CD)

Wieder etwas dazugelernt. Der Sampler-Titel „Thanateros – Visions of Love & Death – music inspired by the Photo Art of Helmut Wolech“ haben mich vermuten lassen, dass es sich um ein Tribut an irgendeine moderne Interpretation eines Gottes, göttlichen Prinzips oder Kultes aus den antiken Anrainer-Kulturen des Mittelmeerraumes handelte. Google verweist indes auf etwas anderes – ob sich Thanateros aber wirklich auf das internationale Chaosmagier-Netwerk Die „Illuminaten von Thanateros“ bezieht kann ich nicht endgültig beantworten. Fest steht aber, dass es sich in diesem Fall um ein Tribut an den Fetisch-Fotographen Helmut Wolech handelt, dessen Markenzeichen morbide, teils verstörend entmenschlichte, objektivierenden Bildwelten im SM- und Fetischkontext sind. Ästhetische Parallelen zu Philippe Fichot (DIE FORM) darf und kann man ziehen, auch wenn bei Wolech die Komposition seines schwarz-weißen Bildkosmos noch wesentlich mehr im Vordergrund steht, als das menschliche Individuum. Extremer, schonungsloser, vielleicht auch konsequenter als Fichot.

Marcus Stiglegger, Privatdozent an der Universität Siegen und Chef-Redakteur des Ikonen-Magazins hat auf dieser Doppel-CD eine ganze Reihe bekannter wie unbekannter Künstler rekrutiert, deren Beiträge von Motiven Wolechs angeregt wurden. Kaum überrascht, dass die meisten Beitragenden aus dem Feld zwischen Dark Ambient, Post-Industrial und Apocalyptic Folk stammen. Zu nennen wären z.B. TONY WAKEFORD, DERNIÈRE VOLONTÉ, ANDREW KING, COPH NIA, ISOMER, NAEVUS, GOLGATHA, SIEBEN, Stigleggers eigenem Projekt VORTEX, SATORI oder APATHEIA. Strukturiert ist die Compilation in “ Love“ (CD1) und „Death“ (CD2). Angesichts dieser Titel fällt „Love“ wesentlich musealer und eingängiger aus als die mehr an Soundscaping und Ritual-Sound interessierte „Death“-Disk.

Denke ich an die letzten Jahre zurück, ist „Thanateros“ im Gesamteindruck – einmal von dem furchtbaren Textsatz abgesehen – tatsächlich die wohl dichteste wie abwechslungsreichste Compilation aus diesem Sektor. Manch ein Beitragender bietet für seine Hörerschaft ungewöhnliche Songs und einige Kandidaten könnten sogar dazu beitragen die ewiggleiche Playlist-Landschaft der Genre-Partys zu bereichern. Für Genre-Fans lohnt sich die Anschaffung ebenso wie für Freunde von SM und Fetisch. In Zeiten von iTunes, Beatport und ähnlichen Angeboten haben es Sampler zunehmend schwer, wahrgenommen zu werden. Dieser hat es vor allem wegen seines musikalischen Abwechslungsreichtums und wenigen, dafür eindrücklichen Fotographien durchaus verdient.

(APL)