JUST TELL ME THAT YOU WANT ME: A TRIBUTE TO FLEETWOOD MAC (CD)

Gerne gebe ich zu, dass ich grundsätzlich Compilations aller Art ziemlich negativ gegenüber stehe. Vor allem mit dem zusammengestückelten Charakter, der ja in der Natur der Sache liegt, kann ich mich so gar nicht anfreunden. Hin und wieder kann so etwas ja Spaß machen, meist ärgern aber die gewaltigen Qualitätsunterschiede einfach nur. Dementsprechend Angst hatte ich vorm Anhören der Zusammenstellung „Just Tell Me That You Want Me: A Tribute To Fleetwood Mac“, einer Tribute-CD, die RANDALL POSTER produziert hat und auf der sich mehrere renommierte Bands und Künstler mit dem musikalischen Vermächtnis von FLEETWOOD MAC auseinandersetzen. POSTER arbeitet bereits seit Jahren erfolgreich in der Filmmusikbranche, und veredelte Filme von SCORSESE, HAYNES oder ANDERSON als Music Supervisor mit dem richtigen Ton.

Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es gar nicht weiter, dass POSTER eine verdammt illustre Musikerrunde für sich gewinnen konnte, die sich sowohl als alt eingesessenen Solokünstlern, als auch jungen Bands zusammen setzt. So gehören MARIANNE FAITHFULL oder ZZ TOP-Gitarrist BILLY GIBBONS definitiv bereits einer anderen Generation an als MGMT oder THE NEW PORNOGRAPHERS. Dann folgt ein Blick auf die Songauswahl. Es fehlen die ganz großen Hits, wie „Go Your Own Way“ oder „Little Lies“. Von dem sensationellen Überalbum „Rumours“ stammen gerade mal zweieinhalb Songs (wenn man die Single-B-Seite „Silver Springs“ mitrechnet), von dem experimentellen Nachfolger „Tusk“ ganze sechs Stücke. Die spätere Popphase wird beinahe gänzlich tot geschwiegen, jedoch kann man getrost davon ausgehen, dass dies dem Sampler ziemlich gut getan hat.

Nicht jeden Beitrag auf der Compilation kann man als Volltreffer bezeichnen. So zersägen THE KILLS ironischerweise den einzigen Nummer-1-Hit der Band, „Dreams“. Auch ERNEST GREENE alias WASHED OUT scheitert an seinem Vorhaben, dem ursprünglich eher schlichten Popsong STRAIGHT BACK eine etwas spacigere Klanglandschaft zu verpassen. Interessanter sind da schon die Versuche von SONIC YOUTHs LEE RANALDO oder TAME IMPALA ausgefallen. Auch GAVIN RUSSOM mit seinem Projekt THE CRYSTAL ARK kann mit einer vollkommen verrückten Dancehall-Version von „Tusk“, LINDSEY BUCKINGHAMSs Song auf die Tanzflächen der heutigen Clubs hieven. Irre! Toll auch der dreckige Bluessound vom schon angesprochenen BILLY GIBBONS, der sich natürlich der Frühphase der Band widmet. Und dann zwischen dieser wilden Mischung immer wieder die ruhigen und akustisch geprägten Songs, die fast immer zu den Highlights zählen. Der wie immer sensationelle ANTONY HEGARTY interpretiert „Landslide“ herzzerreißend zu der einsamen Begleitung einer akustischen Gitarre. Und BONNIE „PRINCE“ BILLY versteht es, mit „Storms“ einen ohnehin schon nahezu perfekten Song noch perfekter zu machen.

Schlussendlich also eine nette, knapp 80 Minuten starke Zusammenstellung, die, trotz Abzüge in der B-Note, vor allem denen Freude bereiten dürfte, die die Originale kennen und schätzen, und sich nach Genuss von „Just Tell Me That You Want Me“ beruhigt mit dem Wissen zurücklehnen können, dass nichts an STEVIE NICKS’ Stimme heranreicht.

(Fabian Broicher)