THE SURREAL FUNFAIR – Navigation Lost (CD)

SASCHA BEYER ist ein Eigenbrötler. Zumindest deutet sein Debütalbum “Navigation Lost“ nicht zuletzt wegen den eher kurz ausgefallen Credits darauf hin. Denn der Berliner, alias THE SURREAL FUNFAIR, bedient kurzerhand einfach mal alle Instrumente selbst, von dem Drumcomputer bis zur Zither, von der Flöte bis zum Akkordeon. Und auch der oft düstere, etwas makabere, jedoch immer sehr variable Gesang, stammt von ihm. So erinnert BEYERs Timbre im Opener “Winnetou 1“ fast an ROBERT SMITH von THE CURE, während das finale “Rascal“ so klingt, als würde TOM WAITS zu MIDI-Keyboard-Begleitung singen.

Hoch her geht es dementsprechend dazwischen. Die Mischung aus wabernden, schweren analogen Synthies sowie eigentümlichen Melodien funktioniert recht gut. Wenn BEYER dies auch noch mit einem interessanten Rhythmussample wie auf “No Mind For TV“ verbindet, dann weiß das Album durchaus zu überzeugen. Dass es dabei hin und wieder etwas zu offensichtlich bei Veröffentlichungen der RESIDENTS abgekupfert wurde, stört allerdings kaum. BEYER kann ohnehin viele Genres bedienen, liefert mit “Laika“ eine wunderbar spacige Ode an die gleichnamige Weltraumhündin ab, und klingt in “Sleep“ gar wie eine etwas spannendere Version der GORILLAZ. Leider verzettelt sich BEYER mehrmals bei seinen Arrangements und zerstört somit direkt im Ansatz gute Ideen. “3“ fasziniert durch zwei völlig konträre musikalische Teile, die sich trotzdem perfekt ergänzen, wird jedoch von einer wahrlich nach Plastik klingenden Drummaschine regelrecht kaputt gemacht. Vor allem das Schlagzeug aus der Dose fällt mehrmals unangenehm auf – noch dazu, weil es so unglaublich penetrant in den Vordergrund gemixt wurde.

Ebenfalls ziemlich albern sind BEYERs Ausflüge in die Welt der 6/8-Takte und der Walzer. So klingt der Titelsong sowie der – glücklicherweise kurze – Hidden Track nach schlechter Zirkusmusik, die von einem Mitarbeiter eines großen japanischen Musikinstrumentenherstellers als Soundbeispiel für eines ihrer billigen Keyboards programmiert wurde. Abzüglich jener Absonderlichkeiten bleibt jedoch immer noch ein interessantes Album, von einem Künstler, der es, ähnlich wie es anno dazumal den LEGENDARY PINK DOTS gelang, versteht, Experimentelles mit eingängigen Melodien zu verbinden.

(Fabian Broicher)