X-NAVI:ET – Brain Overloaded (CD)

Ein Gott der Beat-Literatur, Pionier des Cut-Ups, von Generationen von Künstlern und Musikern gefeiert, Freund zahlreicher Substanzen jenseits der Legalitätslinie des deutschen Betäubungsmittelgesetzes. Die Rede ist natürlich von William S. Burroughs („Naked Lunch“, „23 Skidoo“, „Interzone“, „Queer“). Irgendeine fieberhafte Traumsequenz sei seiner selbsttranszendierten Seele gnädig. Besagter Herr Burroughs findet sich immer wieder in der Top-5 von Freunden anstrengender Töne. Man denke nur an Genesis Breyer-P-Orridge, Kopf von PSYCHIC TV und beleidigter TG-Exilant. Das mir bis dato unbekannte polnische Projekt X-NAVI:ET hat mit „Brain Overloaded“ besagtem Mister Burroughs musikalisch eine Ehre erweisen wollen. „Das hier vorliegende Album ist auf 444 Stück limitiert“, sprach der Wolf neben mir und trieb einen rostigen Nagel durch den amputierten Stumpf am Ende meines Oberschenkels. Der Geist in der Maschine dreht seine Kreise, irgendjemand steht im Nebenraum. Er kauert. Die Wände modulieren, Hände drehen sich um einen mit Acid betriebenen Laternenpfahl. Dieses Leuchten! Ich werde blind. Dreht sich. Boden. Kopfschmerzen beim Aufschlag. X-NAVI:ET stimuliert, reibt auf, treibt unterbewusste Bildwelten zwischen Gehirn und Augenhöhlen vor in das Bewusstsein. Die Klangcollagen basieren meist auf Grundstrukturen modulierter Analogsounds, die durch unzählige Filter- und Effektwege gejagt wurden und werden durch verschiedene Field Recordings noch unterstützt. Wer einen Höllentrip á la „Naked Lunch“ oder Lynchs „Eraserhead“ erleben möchte, der sollte diese CD dringend in Kombination mit der von Gysin entwickelten „Dream Machine“ versuchen. Ein weiteres Indiz dafür, dass man die um Zoharum Records versammelte Szene aus unserem Nachbarland dringend im erweiterten Ich-Spektrum behalten sollte. Unglaublich intensiv. (APL)