VASILISK – Tribal Zone (CD)

Das Projekt VASILISK ging wie GRIM aus dem Split der japanischen Noise-Legende WHITE HOSPITAL („Holocaust“) hervor und beide Splitter-Gruppen schrieben danach ebenfalls Industrial-Geschichte. Die rare wie gesuchte Diskographie von GRIM wurde ja erst kürzlich durch Vinyl On Demand als Vinyl-Box-Set vorbildlich wieder zugänglich gemacht, aber für VASILISK steht jenes leider noch immer aus. Das Tribal-Ritual-Projekt veröffentlichte in den 80ern nur ganze drei LPs, um 1990 nach der Best Of-CD „Liberation And Ecstasy“ völlig in der Versenkung zu verschwinden. 1998 erschien dann eine neue CD namens Sixth Darshan“, die aber mit dem damals trendigen Goa Trance-Sound flirtete und eher für Irritation bei den Industrial-Fans sorgte. Erst im vorigen Jahr gab es durch eine Split-CD mit DISSECTING TABLE ein kleines Lebenszeichen von VASILISK, dem jetzt endlich ein neues Album namens „Tribal Zone“ folgt. Jenes knüpft überraschend an alte Stärken an bzw. übertrifft diese sogar noch. Das Album ist eine packende Mischung aus Tribal-Drums, rituell-religiösen Gesängen, fernöstlichen Drones und dezenten Gitarren-Feedback-Spuren, die in ihren zwingenden Fluss atmosphärisch und treibend zugleich sind. Das Ganze wird trotz einer gewissen Monotonie nie langweilig, sondern reißt im Gegenteil richtig mit und ist so ein dankbarer Gegenentwurf zu dem eher enttäuschenden letzten HERBST9-Doppel-Album. Mit insgesamt 7 Tracks in 46 Minuten ist „Tribal Zone“ noch dazu eine kompakte runde Sache ohne unnötige Längen. Thematisch beschäftigt sich das Album mit der seit Jahrzehnten unannehmbaren politischen Situation in Tibet und insbesondere den blutigen Unruhen in Lhasa im Jahre 2008, wo rund 100 Menschen starben. Die CD im auffällig lilafarbenen Digipack ist limitiert auf 500 Stück und dürfte in Industrial-Kreisen (hoffentlich) eine richtige Sensation darstellen. Für mich schon jetzt ein Genre-Klassiker und ein Highlight des Jahres 2012 – Free Tibet! (Marco Fiebag)