RLW + DAS SYNTHETISCHE MISCHGEWEBE – Die Eisenbüglerin (2CD)

Experimentelle Musik ist als Begriff nicht geschützt und Definitionen gibt es zuhauf; „offizielle“ (vermutet) und persönliche. Letztere mit der ganzen Bandbreite an Möglichkeiten, immer in Abhängigkeit zur musikalischen Herkunft und dem Geschmack (und der Gewohnheit) von Hörer und -in. Das im Hinterkopf könnte bedeuten, die vorliegende Doppel-CD von RLW und Das Synthetische Mischgewebe bereits in Bereichen zu vermuten, die weite Teile der „Normalmusikhörer“ schon gar nicht mehr als Musik bezeichnen würden. Vermutet jedoch ohne eine ersatzweise passende Bezeichnung zur Hand zu haben…

Töne in der klassischen Form, Harmonien, spielen auf „Die Eisenbüglerin“ keine Rolle, reiner Noise aber genau so wenig: RWL und Das Synthetische Mischgewebe verschieben über weite Teile der CDs eine Art von Clustern, die zwar all diese Elemente enthalten, diese aber in sich untrennbar verbinden; in höchst komprimierter Form, als ein Klang, der gleichzeitig aus mehreren, vielleicht auch dissonant zueinander stehenden Tönen besteht, die gleichzeitig eine Art trockene Noise-Aura besitzen; sehr artifiziell, fast wie im Labor entstandene Ingredienzien. Diese begegnen sich in den einzelnen Stücken zumeist (und besonders innerhalb der ersten Stücke auf den CDs) mit Respekt und höchster Ausnutzung von Dynamik: heißt Stille, absolute Stille zwischen den teilweise nur sekundenlangen Clustern ist ein unbedingtes Element der Komposition, genau wie eine Dynamik, die sich traut, bis an die Grenze des Hörbaren Leises gegen im Vergleich fast Explosiv wirkende Parts zu stellen. Im weiteren Verlauf werden die Momente der Stille jedoch zunehmend überwunden, die Cluster rücken zusammen, gehalten durch oszillierende Feedbackbänder, Fieldrecording kommt hinzu, tonal so bearbeitet, dass es mit den Clustern verschmilzt, als Teil derer erscheint und die fragmentierten Stücke des Anfangs zu par-force-Ritten durch ein musikalisches Terrain verdichtet, dessen Oberfläche und Struktur ein einziges Geflecht an Fallstricken darstellt. „Die Eisenbüglerin“ bietet mit diesem Konzept keinen einfachen Zugang, keinen Droneteppich, der sich verführerisch vor den Hörern ausbreitet und auch „hören ohne zuhören“ als Option verspricht. „Die Eisenbüglerin“ will, dass du für sie bereit bist…

Und noch ein paar konzeptuelle Anmerkungen: offensichtlich eine Art „über-Kreuz“ Zusammenarbeit, die jedem der beiden Acts eine „eigene“ CD innerhalb des Gesamtwerks zugesteht (deren musikalischer wie soundlicher Zusammenhalt untereinander aber an keiner Stelle in Frage gestellt wird). Das Ganze in einem 12“ Cover(!) mit den Begleitworten der Protagonisten zum Entstehungsprozess.

(N)