AME DE BOUE – L’inconfort Necessaire (LP)

Noch habe ich (und hoffentlich auch einige andere) sehr angenehm das Minimal-New Wave-Debüt-Album des belgisch-französischen Trios DOLINA in den Ohren, da reicht das Treue um Treue-Label schon ein Neben-Projekt der Band nach. AME DE BOUE ist jetzt das Banner für die Solo-Aktivitäten des DOLINA-Mitglieds Dasz, der hier wie seine Band hauptsächlich auf analoge Vintage-Keyboards von Korg und Roland zurückgreift, im Gegensatz aber vielleicht etwas variabler und kühler agiert. Von Minimal Electro, Cold Wave, Walzer, Punk bis hin zum Pop ist vieles mit an Bord und die Platte strotzt nur so vor 80er Jahre-Verweisen. Man höre hier als Beispiel den herrlich-markanten Melodie-Akkord von „Self Control“ der italienischen RAF, den Harold Faltermeyer („Axel F“) später für Laura Branigan zum Hit machte. Überhaupt sind es die simplen wie charmant-wirkungsvollen Melodien, die ein Hauptohrenmerk des Albums ausmachen und mit dem flotte „Fun To Be Dead“ (eine Coverversion von „Supermasochist“ Bob Flanagan) fällt am Ende sogar noch ein richtig großer Hit für das Minimal Disko-Parkett ab. Im Grunde klingt AME DE BOUE aber schon ähnlich wie DOLINA, bloß eben ohne die markante „Wave-Gothic-Gedächtnis-Stimme“ der Sängerin. Ungewöhnlich ist dafür das Cover-Artwork des japanischen Künstlers Akira Inamaru, welches meiner Meinung nach gar nicht so richtig zum Sound des Albums passen will, aber der Künstler und das Label werden sich sicher was dabei gedacht haben. Es ist dem Label Treue um Treue/Reue um Reue auf jeden Fall hoch anzurechnen, dass sie nun schon seit dem Jahre 2005 meist unbekannte Künstler die Möglichkeit zum Debüt geben und das dann auch noch im kostenintensiven Vinyl-Format. Die Platte im schwarzen Vinyl ist auf 255 Stück limitiert und dürfte ein frischer Tipp für Leute sein, die neben den alten Sachen von ABSOLUTE BODY CONTROL, KIRLIAN CAMERA oder NOVEMBER NÖVELET noch genügend Platz im Regal haben. (Marco Fiebag)