SUNN O))) / NURSE WITH WOUND – ØØ Void/ The Iron Soul Of Nothing (2LP)

Vor die Aufgabe gestellt (und wenn auch nur theoretisch), stellt sich die Frage: Wie daraus neue Facetten kitzeln? „ØØ Void“ ist der 2000 veröffentlichte (und just wiederveröffentlichte) Monolith aus vier Stücken, die sozusagen die Kernaussage von SUNN O))) beherbergen: Distortion / Fuzz / Bassbögen. Immer wieder ausholend, immer wieder in die Tiefen zurückfallend. Wie ein abstraktes Meer zähflüssiger schwarzer Lava; innerhalb der vier Originale, analog zu diesem Bild, nur subtil variiert, eine Walze, die klare Zuneigung fordert oder eben auch Abscheu erntet.

Das vorliegende Release ist nun die erste eigenständige Veröffentlichung der Bearbeitungen dieses harten Stoffs. Ursprünglich nur in Japan als Bonus-CD der „ØØ Void“ beigelegt; jetzt als Doppel-LP. Und NURSE WITH WOUND gelingt es (und wen hätte dies ernsthaft verwundert) aus der dunklen Melasse des Originals ein vielschichtiges, völlig neues Album zu destillieren, eines, das die Körperhaftigkeit des Originals zu einem bösartigen Geistwesen transformiert, das sich in streicherähnlichen Verwehungen verbirgt, die über einen metronomhaften Puls in einer Weise getaktet werden, die viel mehr Beschwörung als Rhythmus ist. Schamanenhaft, wie eine Vorbereitung auf das eigentliche Ritual (oder doch bereits das Ritual?). Flächen in der Charakteristik einer ewigen Trompete, darunter eine Ahnung des Originals, das hier tatsächlich wieder ein wenig an Kraft gewinnt, dabei aber abstrakt bleibt. Wie eine bloße Beschreibung dieses Mahlstroms, wiedergegeben über so viele Stationen, bis von der ursprünglichen Kraft nur noch die durch Mund zu Ohr zu Mund zu Ohr gefilterte, ängstliche Erinnerung verblieben ist. Die Bestandsaufnahme des bisherigen; eine Predigt, wiederum durch eine minimalistische Form von Rhythmus unterstützt, nach einem Moment der Stille durch einen windartigen, scharfen Chor ergänzt; bis dieser abbricht und ein weiteres Mal, wie durch eine plötzlich geöffnete Luke, die Sendboten des Originals erzählen lässt. Vergebliche Versuche des Stoppens, zerbrochene Kelche? Kampf? Schwer zu deutende Handgemenge. Waffeneinsatz? Zeit für ein Requiem.

„ØØ Void / The Iron Soul Of Nothing“ ist kein Remix, auch keine Bearbeitung. „ØØ Void / The Iron Soul Of Nothing“ ist eine Verarbeitung des Originals auf eine völlig unerwartete Weise. Ein absolut eigenständiges Werk, inspiriert durch das Original, verortet in ganz eigenen Galaxien. In diesem Sinne: unvergleichlich.

(N)