MODELL DOO – Dinky Diamond (CD)

Als Walter Robotka im Jahre 2010 auf seinem Label Klanggalerie die Doppel-CD-Compilation „Neonbeats“ veröffentlichte und damit ein Schlaglicht auf die österreichische New Wave- und Post Punk-Szene der 80er Jahre warf, ahnte er sicher nicht die Folgen. Jene geschichtsträchtige Zusammenstellung setzte nämlich in der Folgezeit so einige Synergien frei bzw. zog weitere Veröffentlichungen und sogar Reunions nach sich. Das Wiener Duo MODELL DOO ist jetzt so ein Fall, da das Projekt seit 1985 meist nur temporär in Erscheinung trat und nun nach der Record Release-Party von „Neonbeats“ scheinbar wieder „Blut geleckt“ hat. Auf „Dinky Diamond“ versammeln sich 14 alte und neue Tracks von MODELL DOO, inklusive ihre Soundtrack-Beiträge für die österreichischen Horror-Sexploitation-Filme „I Was A Teenage Zabbadoing“ („Vampyros Sexos“) und „Mondo Weirdo“ („Jungfrau am Abgrund“). Es ist schon eine krude Mischung aus Electro Punk, Avantgarde und Dada-Pop, die einen hier entgegenschlägt, wie sie zum Teil verwirrt und verstört, am Ende aber doch recht unterhaltsam ist. Besonders der neue Track „Norman’s Noise“ und gleichzeitig Opener von „Dinky Diamond“ hat es mir angetan und lässt mich sofort an COIL bzw. deren Soundtrack zu „The Angelic Conversation“ denken. Die rezitierend-erhabene Stimme von Barbara Spitz klingt hier nämlich wie damals im legendären Schwulen-Film von Derek Jarman die große Judi Dench. In ihren besten Momenten erinnern mich dann MODELL DOO an eine Mischung aus PORTION CONTROL und SHOCK THERAPY, was man am besten bei „The Action Is Beautiful“ und „Don’t Overact“ (andere Version als auf „Neonbeats“) nachhören kann. Dagegen sind die deutsch- bzw. zweisprachigen Songs schon gewöhnungsbedürftiger und mehr was für die einheimischen Ohren, wobei wir seit FALCO aber auch wissen, dass das auch international Erfolg haben kann. Wer nach den „Neonbeats“ angefixt war und jetzt mehr in die Tiefe des österreichischen Undergrounds gehen will, kommt an „Dinky Diamont“ von MODELL DOO unweigerlich nicht vorbei. (Marco Fiebag)