TRENT REZNOR & ATTICUS ROSS – The Girl With The Dragon Tattoo (3CD)

Als vor genau einem Jahr Trent Reznor und Atticus Ross (beide NINE INCH NAILS und HOW TO DESTROY ANGELS) den Oscar für die beste Filmmusik zu „The Social Network“ von David Fincher („Fight Club“) bekamen, war die Überraschung groß. Klar war danach natürlich auch, dass das Duo auch wieder für den nächsten Soundtrack zur amerikanischen Neuverfilmung der Stieg Larsson-Bestseller-Trilogie „Millennium“ von David Fincher verantwortlich sein wird und der zweite Oscar schien dafür so gut wie sicher. Seit wenigen Tagen wissen wir nun aber, dass dem nicht so war, denn „The Girl With The Dragon Tattoo“ (läuft bei uns unter „Verblendung“) ging bis auf einen Oscar für den besten Schnitt leider leer aus. Ob es nun daran gelegen hat, dass dem Film in Amerika kein großer Kassenerfolg beschieden oder die Handlung zu komplex und düster war, ist schwer zu sagen, aber an der Musik kann es definitiv nicht gelegen haben. Trent Reznor und Atticus Ross schöpfen hier nämlich aus den Vollen und auch wenn sie mit rund drei Stunden auf ebenso viele CDs für den Normalverbraucher etwas übers Ziel hinausschießen, werden es ihnen die darbenden NINE INCH NAILS-Fans danken. Der Score ist eine atmosphärisch-beängstigende Meisterleistung, die mühelos auch ohne die dazugehörigen Bilder mächtig und gefangennehmend ist. Frostige Drones, nervenaufreibendes Xylophon und die für Reznor so typische Piano-Geklimper bestimmen weitestgehend das Hörbild und erzeugen eine erschreckend fühlbare Stimmung aus Paranoia, Bedrohung und Isolation. Geklammert wird der ansonsten instrumentale Soundtrack durch zwei Songs bzw. Coverversionen, wobei der Opener eine tosende Neuinterpretation des „Immigrant Song“ von LED ZEPPELIN mit Karen O. (YEAH YEAH YEAHS) ist und auch als neuer NINE INCH NAILS-Track durchgehen könnte. Am Ende der dritten CD steht dann die Frage „Is Your Love Strong Enough?“ von HOW TO DESTROY ANGELS im Raum, die sich auch schon Bryan Ferry in den 80er Jahren gestellt hat und hier im Duett zwischen Trent Reznor und seiner Frau Mariqueen Maandig über schlafwandelnd-schwebenden Downbeats ausdiskutiert wird. Der Soundtrack zu „The Girl With The Dragon Tatto“ ist ein beklemmender Albtraum, der trotzdem nicht schöner sein kann und gleichzeitig Hollywood-Produzenten, NINE INCH NAILS-Fans und Dark Ambient-Hörer zufriedenstellen dürfte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Trent Reznor nicht so in der Tretmühle für Soundtrack-Auftragsarbeiten verfängt, wie seiner Zeit Graeme Revell von SPK. (Marco Fiebag)