NADA SURF -The Stars Are Indifferent To Astronomy (CD)

Matthew Caws, Sänger von NADA SURF, lässt es sich auch auf diesem Album nicht nehmen, in Popsongs Fragen zu stellen und Angelegenheiten zu diskutieren, die ebenso gut Gegenstand philosophischer Abhandlungen oder – mindestens – lebenskluger Sinnfindungs-Ratgeber sein könnten (ja, ausnahmsweise ist das als Kompliment gemeint). Obwohl mittlerweile jenseits der Vierzig, haben NADA SURF die Suche des grüblerischen jungen Mannes nach dem richtigen Leben im falschen offenbar noch nicht aufgegeben.

Eine weitere gute Nachricht: Die Musik klingt endlich wieder rauer und rockiger (was alle Fans früherer Alben wie „The Proximity Effect“ und „Let Go“ freuen wird, denen die letzte reguläre, „Lucky“ betitelte Platte zu sanft daherkam). Die Texte aber sind keine Spur weniger kritisch und selbstkritisch als bisher. Im wiedergefundenen Garagenband-Ansatz finden Matthew Caws´ schwere Inhalte und seine melodiöse Stimme nun lediglich das notwendige Gegengewicht. Die Band kehrt dem mit Streichern und Bläsern überfrachteten Pop den Rücken, um sich wieder auf ihre Indie-Rock-Stärken, sprich, die verzerrten Gitarren, zu besinnen. Und so hört sich „The Stars Are Indifferent To Astronomy“ nach der vorzeitigen Vergreisung von „Lucky“ plötzlich an wie das Album einer sehr viel jüngeren Band, die frisch aus dem College entlassen loslegt, die Alternative-Sender der US-amerikanischen Nation zu erobern. Wenn da nicht diese Texte wären – und der Frontmann mit den mittlerweile ergrauten Haaren.

Ist dieses Wiederaufleben des Garagenrock also schon als erstes Anzeichen einer einsetzenden bandinternen Midlife-Crisis zu werten? Wohl kaum, denn in der permanenten Krise ist ein Sänger wie Caws ohnehin, nach seinen Texten zu urteilen. Was auf „The Stars Are Indifferent To Astronomy“ geschieht, ist vielmehr als Rückgewinn alter Vorlieben der Jugendzeit zu verstehen, die man vergilbten Polaroids gleich aus einer Kiste zieht, um plötzlich wieder zu wissen, was einmal wichtig war: „Moved to tears by a subway breakdancer“, singt Caws. So bewegt wie er ist auch der Hörer dieser überraschend jungen, weil überraschend alten NADA SURF-Platte.

(M.Reitzenstein)