TEATRO SATANICO – Gold in Blei (7")

TEATRO SATANICO stammen ja aus dem tiefsten italienischen Untergrund der 80er Jahre und das überhaupt jemand außerhalb des „Stiefel-Landes“ von dieser obskuren Vereinigung Kenntnis bekommen hat, dürfte wohl der Verdienst eines gewissen Jürgen Weber von NOVY SVET sein. Jener veröffentlichte nämlich im Jahre 2000 auf seinem Wiener Label Nekofutschata eine extrem limitierte Best Of-LP von TEATRO SATANICO mit Tape-Tracks aus den 90er Jahren und insbesondere die manischen Titel „Confesso Tutto“ und „Comandante Bruno“ avancierten zu Hits in einem kleinen eingeweihten Kreis von Industrial-Hörern. Plötzlich wurde das mysteriöse Projekt auch für „größere“ Labels interessant und es erschienen weitere Veröffentlichungen unter anderem auf Old Europa Cafe, Ars Benevola Mater, Steinklang und Punch Records. Vom Sound her spannt das Kollektiv dabei einen weiten Bogen zwischen Power Electronics, Death Industrial, Ritual, Minimal und fast schon SUICIDE ähnlichen Elektro Rock’n Roll. Die aktuelle Single auf Treue um Treue überrascht jetzt thematisch wie musikalisch, denn „Gold in Blei“ stellt mit Ulrike Meinhof und Ilse Koch zwei kontroverse Personen gegenüber, die nicht unterschiedlicher zueinander sein könnten, aber beide sinnbildlich für jeweils ein deutsches Trauma stehen. Zum einen wäre da mit Ulrike Meinhof der „gefallene Engel der RAF“ und zum anderen Ilse Koch als die „Kommandeuse von Buchenwald“. Das gerade letztere ein ewiges Geheimnis für die verschiedensten Interpretationen hergibt, beweisen die beiden Bücher „Die Hexe von Buchenwald“ (BRD) und „Die Bestie von Buchenwald“ (DDR) zur Person, welche jeweils am Ende zu völlig verschiedenen Schlüssen kommen. Die Wahrheit, Legende, Fälschung und Lüge liegen beim Thema Ilse Koch nah beieinander und der unbedarfte Leser sollte sich bitte via Google selbst ein Bild machen, ehe ich mich hier wieder in „Teufels Küche“ bringe. Legt man die Single auf den Dreher und stellt die Geschwindigkeit auf 45rpm, ertönt ein wahrlich „bleischwerer“ Sequenzer-Rhythmus im Stile der DAF – monoton wie wuchtig bahnt sich dieser seinen Weg aus den Boxen und wird von Reimen wie „Ulrike Meinhof schrieb goldene Worte, goldene Seiten, schoss Bleikugeln und hat Gold in Blei verwandelt“ oder auf der anderen Seite mit „Ilse Bilse, niemand willse, kam der Koch, nahm sie doch, steckte sie in das Ofenloch, Ilse Koch ist das Ofenloch…“ garniert. Beide Tracks sind rohe Proto-EBM mit garantierten Tanzbodenqualitäten und offenbaren somit eine weitere Facette der verrückten Italiener. Ich kann diese Single nur wirklich empfehlen, welche limitiert auf insgesamt 314 Stück ist und wovon eine Hälfte in goldenes bzw. die andere in bleifarbenes Vinyl gepresst wurde. (Marco Fiebag)