DOULEURFANTOME / NATURE MORTE – When Trees Fall Down (MC)

Wer hätte gedacht, dass neben dem Vinyl auch das gute alte Tape mal wieder so relevant werden wird, denn das Magnettonband ist heiß wie lange nicht mehr. Gerade bei ansprechenden Kleinst-Auflagen scheint das Tape der CD-R wieder den Rang abzulaufen und auch Treue um Treue inklusive ihrer Seitenarme greifen inzwischen auf dieses analoge Format zurück. Nach der Zusammenarbeit mit dem katalanischen O PARADIS auf Disques De Lapin (leider nur auf CD-R) lässt das mysteriöse französische Projekt NATURE MORTE gleich eine weitere Split-/ Kollaborations-Veröffentlichung mit dem mir bis dato völlig unbekannten DOULEURFANTOME auf eben jenen Medium folgen. Übergreifendes Thema des mitternachtsblauen Tapes ist der Raubbau an der Natur und insbesondere am Wald bzw. an den Bäumen. DOULEURFANTOME beginnt dabei auf seiner Kassetten-Seite recht noisig und seine trotzdem subtil-differenzierten Drones scheinen das Kreischen der Kettensägen sowie das Schreien und Weinen der Bäume perfekt darzustellen. Auf der anderen Seite überwiegt dann bei NATURE MORTE die melancholisch-tragische Note und so wird (nach meiner Interpretation) das Bluten bzw. Harzen der frisch geschlagenen Stämme, das anschließende Austrocknen und Sterben entsprechend musikalisch umgesetzt. Insbesondere die gelungene Mischung aus Naturgeräuschen und melancholischen Synthesizer-Flächen sind typisch für NATURE MORTE und erinnern an die ebenfalls sehr empfehlenswerten weiteren Veröffentlichungen des Franzosen auf dem norddeutschen Label. Obwohl ich mir diese Split-Veröffentlichung auch als Vinyl sehr gut vorstellen hätte können, erschient sie letztendlich als Tape, was sicher einen wirtschaftlichen Hintergrund hat. Eventuell soll aber auch das warme Grundrauschen des Magnettonbandes die Atmosphäre des Sounds unterstützen? 151 Personen können sich jetzt auf jeden Fall davon selbst ein Bild machen und für sich entscheiden, ob „When Trees Fall Down“ einfach nur mystische Naturromantik ist oder gar dem Öko-Faschismus Vorschub leistet. (Marco Fiebag)