SIGNALSUNDERTESTS – Nascent (CD)

Bisweilen gibt es so etwas wie die Grenzen der Worte. „Nascent“ ist so ein Fall. Das neue, zweite, Album von signalsundertests (aka Richard Graham aus Irland) entwirft geradezu leichtfüßig ein ganzes Universum aus gleißenden Flächen, verhaltenen Störgeräuschen, verfremdeten wie nackten Gitarrenlinien und korrodierten Hallfahnen; das auch noch basierend auf einem eigenen Harmonieverständnis (das den Ablauf innerhalb der einzelnen Stücke weitgehend unvorhersehbar macht); Vergleiche mit anderen müssen da schlicht zu kurz greifen und gegenüber der gehörten Wirklichkeit schon fast schal klingen, erst recht wenn es, wie hier, mit bloßen Worten beschrieben werden muss…

Wenn dann noch (wie bei einem der Stücke) ein (weiblicher) Gesang integriert und die ambiente Anlage durch tieffrequentes Pulsen erweitert wird und dies alles funktioniert, ohne dass eines dieser Elemente das Album dominiert, diese statt dessen als selbstverständliche Teile wirken, dann ist das alles andere als selbstverständlich. Genau so wenig, wie die Tatsache, dass es signalsundertests gelingt, einen Drone-Track wie „Quite Arcs“ als einen derartigen par-force-ritt anzulegen (und dabei die Homogenität zu waren); wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass es viele potenzielle Liebhaber(innen) dieser Platte abschrecken würde (vermutlich rein aus Vorurteilen oder einem sehr engen Verständnis von), wäre „Pop-Appeal“ die vielleicht beste Umschreibung für das, was „Nascent“ eben auch so verführerisch macht. Aber eben ein Pop-Appeal, der als nur eines von vielen Elementen die Musik durchdringt, nie vordergründig ist und, verbunden mit der überraschenden Anlage der Arrangements der Tracks für das rechte Gleichgewicht sorgt, um einen Platte entstehen zu lassen, die an jeder Stelle experimentell ist und trotz eines derartigen Klangspektrums und trotz einer Vielschichtigkeit im Arrangement und trotz ihrer Mischung von längeren wie fast fragmenthaft kurzen Stücken einen durchgehenden Flow und (dynamischen) Zusammenhang besitzt. Meisterwerk.

…und das abschließende „Ebb And Flow“ fasst das alles einfach noch einmal in knapp 8 Minuten zusammen…

(N)

Format: CD
Vertrieb: SELF-RELEASED
 

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