THE SONG SPARROWS – Days That Are No More (CD)

Eigentlich mag ich eine bestimmte Spielart altertümelnden Folks, bei der musikalische Zitate längst vergangener Epochen verwendet werden, überhaupt nicht: Meistens singen die Bands dieses Genres irgendwas von grünsaftigen Auen, hopsenden Rehen und wilden Bärchen oder trauter Waldeinsamkeit, bis sich einem schließlich der Magen umdreht angesichts all der regressiven Sehnsucht nach dem goldigen Zeitalter. Nur allzu oft kaschiert eine solche plakative Rückwärtsgewandtheit den Mangel an eigenen Ideen; außerdem dient sie meist zur hermetischen Abriegelung ironiefreier musikalischer Zonen.

“Days That Are No More“ – der Titel lässt in dieser Hinsicht zunächst Schlimmes befürchten, nur um dann mit den Vorurteilen des Rezensenten gründlich aufzuräumen. Angesichts der SONG SPARROWS verpufft all meine ätzende Polemik sofort wie ein Rauchring aus Gandalfs Pfeife: Die können das einfach zu gut, sind weder wehleidig noch übermäßig gefühlsduselig, und auch die Texte wurden scheinbar nicht von Räuber Hotzenplotz oder Robin Hood verfasst. Die Songstrukturen halten wiederholtem Anhören stand, und die Instrumentierung variiert angenehm. Da verzeiht man sogar einzelne Hintergrundeinspielungen zwitschernder Vögel und plätschernder Flüsschen. Irgendwie funktioniert auf “Days That Are No More“ eben alles, was sonst absolut nicht geht!

Gleich im Intro: ein Didgeridoo, eine Flöte und noch weitere fremdartig klingende Instrumente. Interessant, denn beim Bandnamen THE SONG SPARROWS, würde ich behaupten, denkt man erst mal an “klassischen“ Gitarrenfolk, allenfalls von Geige, Mundharmonika oder Akkordeon begleitet. Und im folgenden Stück geht es dann auch in der Tat traditioneller weiter: hier wird die bereits im Intro ertönende Flöte im Dialog mit einer Akustikgitarre präsentiert, zusammen mit einer äußerst androgyn klingenden, sehr melodiösen Gesangsstimme (und eindeutig männlichem Backgroundgesang). Doch die SONG SPARROWS erzeugen statt des üblichen Pastoralkitschs so etwas wie eine genuine Atmosphäre, die sich in dieser Intensität sonst nur in der Musik der FLEET FOXES einstellt.

Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Jazzeinflüsse, dann ließe sich ein hochkarätiger Vergleich zu PENTANGLE (oder doch mindestens zu MIDLAKE) ziehen. Doch Vergleiche mit anderen guten Folk-Bands haben die SONG SPARROWS gar nicht nötig. Die Sangesspatzen müssen sich nicht hinter ihren älteren und neueren Kollegen verstecken, denn mit “Days That Are No More“ werden sie sich ihren eigenen Platz auf dem Ehrenbänkchen der fahrenden Sänger erwerben.

(M.Reitzenstein)

Format: CD
Vertrieb: OLD EUROPA CAFE
Mailorder: Going Underground
 

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