THE DRIFT – Blue Hour (CD)

THE DRIFT – noch nie was gehört von der Band. Wie kann das sein? Denn das ist wirklich schade; wenn alle Platten von dieser Truppe aus den experimentierfreudigeren Kreisen San Franciscos so phänomenal gut sind wie das jüngste Release „Blue Hour“, ist mir eine Menge entgangen.

Nun habe ich es schon gleich zu Beginn zugegeben – „Blue Hour“ begeistert mich, und das von der ersten bis zur letzten Minute. Das schafft die Band, weil sie ganz offensichtlich ausnahmslos aus hervorragenden Musikern besteht, die ihre Instrumente beherrschen. Das allein macht natürlich noch längst kein gutes Album aus – doch die musikalische Vision, die dem Hörer des Albums vorgestellt wird, sucht ebenfalls ihres Gleichen. Der erste Track setzt mit treibenden Drums ein, der Rhythmus wird nur minimal variiert, nach und nach erhält der Trommelwirbel Gesellschaft von elektrischen Gitarren; nur dass das Ganze dadurch noch lange nicht gewöhnlicher „Rock“ wird. Wenn überhaupt, lässt sich der Opener von „Blue Hour“ allenfalls mit IRON BUTTERFLYs Langversion von „In A Gadda Da Vida“ vergleichen. Doch das ist nicht alles, was THE DRIFT im Repertoire haben, wie die folgenden Tracks eindrucksvoll belegen: Neben dem anfangs etablierten, drum-lastigen Psychedelic versteht die Band es auch, clever arrangierte, auf Melodien und Rhythmen verzichtende Soundscapes zu komponieren, die an frühes Material von SIGUR ROS denken lassen. Bei den rhythmischeren Stücken wiederum fühlt man sich an eine noise-freie Version MOGWAIs erinnert (wohl auch, weil THE DRIFT ebenfalls auf Gesang verzichten). Neben den genannten Referenzen spürt man ganz im Hintergrund außerdem eine Tendenz (und die musikalische Befähigung) der Band zum Instrumental-Jazz, die aber auf „Blue Hour“ lediglich als vage Möglichkeit angedeutet wird.

Ein Unterschied zum Großteil anderer Bands mit ähnlichem Ansatz: Nach dem Durchhören des Albums bin ich entspannt statt eingeschläfert. Ohne geistig abzudriften, hat „Blue Hour“ eine Stunde verschönert, die so „blue“ gar nicht sein kann, wenn es Musik gibt wie diese.

(M.Reitzenstein)

Format: CD
Vertrieb: TEMPORARY RESIDENCE/ CARGO
 

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