FEIST – Metals (CD)

Kann es im Independent-Pop-Bereich überhaupt noch irgendetwas geben, das uns überrascht und wirklich aufhorchen lässt? Jeder weiß, es gibt sie wie die sprichwörtlichen Sandkörner am Urlaubsstrand: Singer-Songwriter, männliche wie weibliche, zart tönende und fetzige, perfektionistische und trotzig ihre rudimentären Fähigkeiten ausstellende. Wir haben sie kennengelernt, die BETH ORTONs, CAT POWERs, SUFJAN STEVENs und CONNOR OBERSTs und wie sie alle heißen mögen. We don´t need another hero – bei einem derart riesigen Überangebot fällt es immer schwerer, einschlägigen Neuerscheinungen die verdiente Aufmerksamkeit zu zollen: Ja, das ist hübsch, schöne Melodien, und jetzt auf den Stapel damit zu den liederschreibenden Kollegen. Was kann uns schon noch aus dieser übersättigten Lethargie reißen?

Die Antwort lautet natürlich: LESLIE FEIST. Deren Album „Metals“ ist die Wiederbelebung des zu Tode gespielten Singer-Songwriter-Pops. Auf den ersten Blick passiert auf “Metals“ gar nichts anderes als auf den Platten zahlreicher Kollegen. Natürlich bestehen auch FEISTs Songs aus den bekannten Grundelementen Stimme, Gitarre, Strophe und Refrain. Doch die Künstlerin verleiht ihren Stücken eine manchmal fast schon kaum noch erträgliche Intensität, eine Tiefe, die wohl auf unbestimmte Zeit unerreicht bleiben wird. Der einzige ansatzweise zulässige Vergleich in dieser Hinsicht wäre CAT POWER. Aber Chan Marshall, so beeindruckend sie sein mag, hat früher einfach den Trick benutzt, uns so unmittelbar mit ihrer Depression zu konfrontieren, dass man angesichts all dieser Authentizität und des rohen Weltschmerzes nur noch zustimmend nicken durfte. FEIST dagegen hat es nicht nötig, den Hörer mit ungefilterter Seelenpein zu erpressen: Die Stimmung ist bluesig, melancholisch, aber nicht verzweifelt. Die Texte stellen ganz gelassen Betrachtungen über das Leben und die Liebe an und sagen zwischen den Zeilen: das macht doch jeder durch, damit ist man nicht allein.

Was “Metals“ ebenfalls auszeichnet, ist die Abmischung und die Begleitinstrumentierung, sowie einige gezielt eingesetzte LoFi-Ideen: Obwohl die Songs allenfalls im Midtempo-Bereich liegen, stehen die Drums ungewöhnlich druckvoll im Vordergrund. Der Bass schlägt ab und zu Noten an, die tief genug sind, die Eingeweide vibrieren zu lassen, und im Stück “Undiscovered First“ wird das Geräusch von Schritten in einem Zimmer zum Percussion-Ersatz. Andernorts wird das Klirren eines metallenen Mobiles in eine Songstruktur integriert. Sogar der ansonsten misstrauisch machende Einsatz von Bläsern und leicht unrhythmischen Handclaps trägt eindrucksvoll zum Gesamtergebnis bei. Alle genannten Zutaten versammeln sich um einen Kern aus hervorragendem Songwriting – ohne dieses wären die bisher genannten Vorzüge dennoch nur wirkungslose Spielereien. Aber die Songs auf “Metals“ halten jedem beliebigen Vergleich mit etablierten Größen mühelos stand.

FEIST findet im Labyrinth des Independent-Pop genau jenen Mittelweg zwischen Tradition und Innovation, der noch nicht von zahllosen Vorgängern in einen ausgetretenen Trampelpfad verwandelt wurde. Um das derzeitige Medieninteresse an ihrer Person und ihrer Musik hat sie sich mit “Metals“ mehr als verdient gemacht.

(M.Reitzenstein)

Format: CD
Vertrieb: POLYDOR FRANCE/ UNIVERSAL
 

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