BORIS – Attention Please (CD)

Nun, “New Album“, das erst vor kurzem erschienene neue BORIS-Album, ist ja nicht nur musikalisch eine echte Überraschung (ob gut oder böse sei hier mal lieber nicht noch einmal diskutiert…), sondern hat auch mit dem um  Gitarristin Wata kreisenden Coverartwork und in der Ausweitung ihrer musikalischen Tätigkeiten (nicht mehr nur vordergründig Gitarristin; mehr Gesang, alle Keyboards) ganz neue Dimensionen der persönlichen Ikonisierung erreicht. So weit, so gut (oder eben schlecht; für die andere Seite).

“Attention Please“ ist nun das zweite neue Album 2011 (“Klatter“, die Kollaboration mit MERZBOW nicht eingerechnet) und hier geht es fast nur noch um Wata: als alleinige Sängerin, als Coverikone und Star des 27-seitigen Bookletts (CD) bzw. Postergirl (LP). Als Asia-Abendkleid-Gothic mit Schleierschal und “Action-Mike“ im Anschlag. Angaben zu Haar und Makeup und Fotograf inklusive; versteht sich. Und wenn das Album nicht unter BORIS firmieren würde, sondern als Watas erstes Solo-Album beworben würde, ich würde es glauben…

Es könnte aber schlimmer sein. Das Album geht im Vergleich zu “New Album“ eindeutig wieder zurück zu einem homogeneren Band-Sound, bezieht sich diesmal möglicherweise mehr auf Shoegazerhaltungen, lässt dabei (ganz eindeutig) den Hard-Rock außen vor, scheut sich auch nicht, im die VÖ eröffnenden Titelstück, Minimal-Dance-Rhythmik in das Zentrum zu stellen.

Besonders interessant wird es dann natürlich bei den gefürchteten Überschneidungen, die Boris bei Multi-Veröffentlichungen offensichtlich besonders mögen: “Party Boy“, auf “New Album“ im Vergleich eins der zurückhaltenderen Stücke (wenn auch da gegenüber früheren BORIS-Stücken üppig elektronisch und sonst wie erweitert), erhält auf “Attention Please“ durch die verzerrte Basslinie ein ganz neues Rückgrat und wirkt dadurch entschlackt-fokussierter und auch noch “rockiger“ (im positiven Sinne…). Gleiches gilt für “Hope“: auch hier wird das Streichergewand der “New Album“-Version deutlich heruntergefahren, die Gitarren etwas ruppiger gemixt und fertig ist ein Track zwischen Pop und Shoegaze (und, in einem kurzen Break, Metal)… …gleiches gilt nahezu eins zu eins auch für das ebenfalls auf beiden Veröffentlichungen befindliche “Spoon“.

Insgesamt also eine Platte, die die Rock/Drone/Experimental-Adepten nicht zufrieden stellen wird, die aber auch für diese deutlich besser zu ertragen sein sollte als “New Album“. Und für alle anderen möglicherweise einfach ein gutes Album einer guten Band…?

PS: Von den Männern ist übrigens keiner auf dem Cover abgebildet und im Line-up wird Wata mal eben doppelt genannt; Boris also hier zu viert? Gespaltene Persönlichkeit? Klonung? Wir (ich) bitte(n) um Aufklärung.

(N)

Format: CD
Vertrieb: SARGENT HOUSE/ CARGO
 

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