TROUM – Saiws (Picture-7")

“Saiws“ ist das gotische Wort für Meer. Hörer des Bremer Duos TROUM, denen diese Information zunächst fehlte, hätten sich womöglich eine andere Bedeutung erschlossen, nämlich die zu einer Vorgängerveröffentlichung namens “AIWS“.

Nun hat “Saiws“ nichts mit dem Alice im Wunderland-Syndrom zu tun, jenem Syndrom, bei dem man die Umwelt auf halluzinatorische Weise verändert wahrnimmt. Und doch hat das Halluzinatorische, das Psychedelische seinen Platz auf “Saiws“. Noch bevor die Picture-7“ ihren Weg auf den Plattenteller findet, staunt der Hörer erstmals. Die von Eye.Lyft (Grafiker Alan McClelland) designte Verpackung dürfte im Zusammenhang mit einer musikalischen Veröffentlichung einzigartig sein.

Die Picture-7“ liegt in einem Mantel der besonderen Art. Auf der Rückseite sind die Veröffentlichungsdaten eingeprägt, in schwarzen Lettern auf festem Plastik. Das Besondere wird jedoch von der Frontseite definiert. Dort ist ein blaues Gel mit blinkendem Sand in einer Sleeve-Tasche eingefasst. Ein leichter Druck auf diese Gelfläche lässt von Wellen träumen. Der blinkende und glitzernde Sand, der sich mit dem Gel vermischt hat, bewirkt einen psychedelischen Effekt, als würde man mitten in einem Kaleidoskop mit Meeresthematik und kleinen Glitzerobjekten sitzen. Auf der Picture-Single ist ebenfalls ein psychedelisches Muster zu finden, welches das komplette Spektrum der Farbe Blau abbildet, vom dunkleren Rand ins sich aufhellende Zentrum. Durchzogen ist dies von weißen Gischt- oder Nebelschwaden – je nach Lesart. Das Thema des Maritimen wird von Optik und Haptik getragen und findet sich natürlich auch in den beiden auf dieser Veröffentlichung befindlichen Tracks wieder.

Baraka[H] und Glit[S]ch fangen akustisch den Ursprungsgedanken, dass alles Leben aus dem Meer kommt, auf  dieser Veröffentlichung ein. Beide Dronestücke – “Sêgler“ und “Saiws“ sind eine Art “instrumentaler Dronegesang“, sind Lieder für das Meer. Der knirschende Sand setzt sich zwischen die Zehen und das Weite und Große zieht die Augen und das Herz magnetisch zum Horizont. Die dichten – und von High-Tech-Spielereien freien – Stücke sind ein akustisches Gleichnis für das Weite des Ozeans und die tiefe Sehnsucht des Menschen. So wird ein Punkt im Hörer angesteuert, an dem die tiefe Ahnung davon kündet, dass man mit einem Ort konfrontiert wird, aus dem man kommt und zu dem man eines Tages zurückkehren wird. Strudelförmig saugen die beiden Dronewirbel den Hörer ein, hin zu einem Kern, wo neben der beschriebenen Ahnung auch der vollkommene Ton wohnt. Immer, wenn man jedoch meint, auf diesen Kern gestoßen zu sein, tut sich eine weitere Ebene auf und verschlingt den Hörer in dem Rausch der Tiefen.  Dass jedoch eine Perspektive des Wahrnehmens nicht reicht, um diesen Höhepunkt des Veröffentlichungssommers abzubilden, liegt auf der Hand. Verlässt man die Innenperspektive und versucht sich von außen zu nähern, öffnet sich ein weiterer Verstehenshorizont. Da scheint es, als würden TROUM ein mit Samuel Barbers Streichern versetztes Echolot in den Ozean schicken, um den Grund auszuloten. Dieser Schallimpuls ist versetzt mit dem Hall der Drones.

Auf 179 Stück ist dieses blaue Wunderwerk nummeriert. Es würde nicht Wunder nehmen, wenn unter den Besuchern der Strände dieser Welt demnächst Besitzer von “Saiws“ wären, die Ich-versunken, knietief – stundenlang im Wasser stehen und auf den Horizont schauen würden. Dabei würden sie dem Wellenrauschen zuhören und “Saiws“ vor sich hin murmeln… (S.L.)

Format: Picture-7"
Vertrieb: EQUATION RECORDS
Mailorder: Going Underground
 

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