EMERGE – Angle (3"-CDR)

Oh, was poltert denn da aus den zur Rappelkiste werdenden Boxen? Rasseln, ersticktes Poltern, Klirren, plötzliches Rattern – genau so könnte man sich den Soundtrack zu einem neuen, unheimlichen Lars-von-Trier-Film vorstellen.

Zum vorliegenden Release der Band EMERGE allerdings haben von Trier und Kollegen noch keinen Film gedreht, obwohl sie sich künftig vielleicht an obige wenden sollten. Auf „Angle“ gibt es ausgesuchte Sounds zu hören, die jeden freuen müssen, der von einem Hörerlebnis nicht zwangsläufig Musik erwartet und der bspw. die Klanguntermalung zu „Antichrist“ mochte: Minimalistisch werden die Bilder düsterer Träume in Akustik verwandelt, die es in sich hat.

Allseits bekannte Klischees, von Genre-Bezeichnungen wie Dark Ambient vielleicht vorschnell ins Bewusstsein zitiert, werden bei EMERGE schon in der Gestaltung des Mini-Case vermieden, das mit seinen blauweißen Schnörkeln so gar nicht gothic-like daherkommt; und  auch in der Wahl der interessanten Klänge, die sich zu einem gruselig-homogenen Stimmungsbild zusammensetzen, sieht man keineswegs plakative Totenschädel tanzen. Die leidige Aggressionsfalle („Machen wir Krach, weil wir böse sind, oder sind wir böse, weil wir Krach machen?“) wird ebenfalls konsequent umgangen. Bei EMERGE geht es um Stimmungsbilder, nicht um Aggression. Eine ausgeklügelte Laut-Leise-Dynamik sorgt für nachhaltige Spannung und lässt den ca. 20-minütigen Track niemals langweilig werden: Die Band weiß eben nicht nur, wie man assoziationsfördernde Klänge erzeugt, sondern auch, wann Schluss ist. So bleibt das Stück am Ende als Ganzes erfassbar.

Eine generelle Offenheit für Experimente muss der Hörer von „Angle“ auf jeden Fall mitbringen – das ist aber auch das Einzige, denn für den Liebhaber von Dark Ambient-Klängen haben EMERGE alles Weitere im Gepäck.

(M.Reitzenstein)

Format: 3"-CDR
Vertrieb: Attenuation Circuit
 

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