ATARI TEENAGE RIOT – Is This Hyperreal? (CD)

Hyper, hyper, ist das die neue SCOOTER? Nein, this is hyper-hyper-hyperreal, die neue CD von ATARI TEENAGE RIOT. Und der Vergleich mit dem megaphonbewehrten HP Baxxter und seiner Fun-und-Party-Truppe kann eigentlich auch nur aufkommen, weil wir in den letzten Jahren fast schon vergessen hatten, dass eine harte Bass-Drum, Synthie-Gewummer und gesampelter Krach durchaus auch als politisches Statement eingesetzt werden können, statt nur zur Untermalung einer Kettenkarussell-Fahrt auf der Kirmes, bei der man das zuvor so teuer bezahlte Pils wieder ausspeit.

Dabei meinen ATARI TEENAGE RIOT es 2011 noch genauso ernst wie anno dazumal, das merkt man spätestens, wenn Alec Empire und Nic Endo ihre Texte in Form von Sprech- und Schreigesang zum Besten geben. Neben den „traditionellen“ Themen wie corporate greed und dem (deutschen) Staat geht es auf Is this hyperreal? insbesondere um moderne Kommunikationstechnologien wie Internet und Mobiltelefone bzw. deren Eignung zur Anzettelung von Blitzrevolutionen und subversiven Streichen. Urteil Stiftung Atari-Test: mangelhaft. Der Twitter-Revoluzzer und der Handy-Guevara laufen ja doch nur Gefahr, durch Nummernspeicher oder Adressliste ihr „whole network at once“ zu verraten. Dann hätte es sich mit dem organisierten Aufstand gegen die staatliche Autorität schnell erledigt.

Ok, zugegeben, der Rezensent zählt wohl zu eben jenen Zynikern, die ATARI TEENAGE RIOT auf ihrer Website bezichtigen, immer eine Ausrede zu finden für die eigene Inaktivität. Genau da wird die Platte aber interessant: Man darf sich nämlich beim Hören endlich mal wieder unangenehme Fragen stellen – und sei es nur, ob das, was man da in den Texten vernimmt, nicht ein bisschen paranoid oder übertrieben ist. Aber schließlich wusste schon ein anderer bekannter Sänger: „Just because you´re paranoid / Don´t mean they´re not after you“…

Wie immer man sich zu den Inhalten von Is this hyperreal? positionieren mag, man muss anerkennen, dass ATARI TEENAGE RIOT offenbar von ihrer Sache überzeugt sind und mit ungebrochenem missionarischem Eifer zu Werk gehen. Wie im wirklichen Leben ist ehrlich empfundenes Sendungsbewusstsein auch in der Popmusik anziehend und mitreißend, und so kann man eigentlich nicht anders, als diese Platte letztlich irgendwie gut zu finden.

(M.Reitzenstein)

Format: CD
Vertrieb: DIGITAL HARDCORE/ ROUGH TRADE
 

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