Man stelle sich sein Lieblingsessen vor. Was ist das Schmackhafte daran? Was das Besondere? Würde man es jeden Tag essen wollen? Anders gefragt: Welcher Verlust steckt in der Wiederholung? THISQUIETARMY ist das Einmannprojekt des Kanadiers Eric Quach, der seit 2005 in seiner Soundküche kleine, aber feine Drone-Gerichte zubereitet. Neben der Split-Veröffentlichung “Orange“ zusammen mit Aidan Baker ist soeben sein neues Album “Vessels“ von ihm zum auditiven Verzehr bereit gestellt worden.
Auf “Vessels“ setzt sich Erich Quach mit dem Thema Meer auseinander. So wie das Thema nicht neu ist, ist das Absuchen der Welt nach Ungehörtem auf dem Schöpfungsfeld der Drone-Musik ein schwieriges Unterfangen. Und bereits der erste Track “The Pacific Theater“ bestätigt jene Vorahnung. Flimmernde Drones werden von lärmenden Sounds umwedelt. Dazu sucht ein krachender Beat die Richtung, findet diese allerdings in den umnebelten Passagen selten. Dies setzt sich auch bei “Shipwrecks“ fort. Ein Stück, welches derart routiniert vor sich hindampft und gefahrlos abbrennt, dass über die erloschenen Rückstände die Rauchschwaden der Beliebigkeit ziehen.
Keine Frage – Eric Quach agiert solide und handwerklich sauber, aber leider auch ziemlich mutlos, was sich in seinen risikoarmen Kompositionen niederschlägt. Es fehlt das Kratzige, das Widerborstige, das Nachwirkende. Der Kanadier weiß um seine Fertigkeiten und vielleicht ist es dieses Bewusstsein, diese Gewissheit, die ihn daran hindert, den nächsten Schritt zu tun. Denn THISQUIETARMY mangelt es vor allem an Wagnis. Eric Quach riskiert auf “Vessels“ einfach zu wenig, mischt bewährte Dronezutaten ineinander, lässt alles aufkochen, um es dann dem Hörer so zu präsentieren, wie er vermutet, dass es jenem schmecken würde. Es scheint als würde er sich ein Unentschieden ermauern und auf einen Konter spekulieren. So könnte man diese Besprechung beschließen, wäre da nicht das letzte Stück “A Spanish Galleon“. Schlagzeugsounds, die erschüttern – geloopte Gitarrensounds, die berühren – verwaschene Gesangsspuren, die den Hörer durchdringen und Droneeruptionen, die mitreißen, nisten sich sofort im Gedächtnis des Hörers ein. Hier wird auf Sicherheit – und somit Beliebigkeit – verzichtet. Das lässt sich vor allem an der Vortragsweise des Gesangs verdeutlichen. Mürrisch, nuschelnd teilweise etwas verwackelt, weit ab von Perfektion, aber genau das verleiht dem Album am Ende noch einmal Aufwind. Hier treibt Eric Quach seine Kunst und lässt sich nicht treiben. Hier entfernt sich der Kanadier erstmals vom sicheren Ufer. Je weiter er ins Meer läuft, umso stärker schlägt sein Puls. Plötzlich spürt er keinen Grund mehr unter den Füßen und diese neue – nur scheinbare Unsicherheit – fordert ihn. Er beginnt mit festen Zügen zu schwimmen, den Blick gen Horizont. Und erst hier entsteht etwas, was der Rezensentin die Veröffentlichungen aus dem Drone-Bereich immer schmackhaft machte: Hier steuert jemand einen fernen Punkt an, ohne Netz, ohne doppelten Boden. Hier ist jemand außer sich – oder: Hier kocht jemand ein neues Lieblingsgericht. Vielleicht? Vielleicht! (D.L.)
Format: CD |
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