EGIDA AUREA – La Mia Piccola Guerra (CD)

Wenn ein Rezensionstonträger rund läuft, statt nach dem dritten Stück schon aus dem Abspielgerät in Richtung Mülleimer geworfen zu werden, ist das ein erstes gutes Zeichen. Wenn eben jener rund laufende Tonträger von Mal zu Mal intensiver wahrgenommen  wird und erste Mitsingversuche unternommen werden, ist dies das zweite Zeichen. Wenn der Tonträger dann nicht nur den hinzugezogenen fachkundigen Mithörern gefällt, sondern auch noch freiwillig nach dem Rezensieren weitergehört wird, ist unmissverständlich klar – diese Platte hat es in sich! Schon lange ließ ein solches Ereignis auf sich warten und mit „La Mia Piccola Guerra“ der aus Genua stammenden EGIDA AUREA ist es nun endlich soweit, dass ein Debutalbum auf Anhieb rundum zu begeistern weiß. Doch von vorn!

Schon das erste Stück, nach dem dieses erste Vollzeitalbum (zuvor gab es nur eine MCD der Italiener) auch benannt wurde, ist mit seinem eingängigen Walzertakt, der eingängigen Melodie sowie der typisch italienischen Melancholie mehr als hitverdächtig und wird sicherlich noch die ein oder andere Tanzfläche füllen. Die Strategie, das beste Stück des Albums als Erstes zu setzen, ist riskant, wenn das restliche Album dann nur verblassend dahindudelt, aber dies ist bei EGIDA AUREA mitnichten der Fall. Denn schon das zweite, schmissige Stück „Memorie Di Gesta“ glänzt nicht nur durch die ausgefeilte, meist akustische Instrumentierung, sondern besonders durch die eindringliche, sehr klare und das ganze Album dominierende Stimmgewalt der hervorragenden Sängerin Carolina Cecchinato. Ruhiger wird es dann bei „Il Passo Dell’Esule“ und ja, man kann Parallelen zu IANVA ziehen – und auch, wenn die Rezensentin dafür wieder gesteinigt wird – EGIDA AUREA sind qualitativ wesentlich besser als ihre Kollegen aus der Heimatstadt, die weder im Studio noch auf der Bühne zu überzeugen wussten. Bei EGIDA AUREA ist die Instrumentierung wesentlich eleganter und versierter, passen alle Versatzstücke harmonischer zusammen und das Gesamtkonzept ist eingängiger, mitreißender, einfach überzeugender. Besonders positiv fällt das immer passend eingesetzte Akkordeon auf, das auch bei dem nun folgenden „Gli Sguardi Nel Sole“ einfach nur zu gefallen weiß. Wieder eine Hookline und ein Refrain, die zum Mitschunkeln und Mitsingen einladen – selbst, wenn man nur jedes fünftes Wort versteht, weil man leider des Italienischen nicht mächtig ist (was auch der Grund ist, warum hier nicht auf die textlichen Inhalte eingegangen werden kann).

Wer sich näher mit der italienischen Neofolk-Szene auskennt (und in diese Schublade kann man EGIDA AUREA schon stecken, wenngleich sich italienischer Neofolk doch sehr von dem aus anderen Ländern unterscheidet,  da er schon sehr auf die landestypische Musik zugeschnitzt ist und man weniger martialisch daherkommt – Folk eben!), wird wissen, dass bei EGIDA AUREA fast alle Musiker mitwirken, die sich auch für RECONDITA STIRPE verantwortlich zeigen. Man fragt sich, warum man ausgerechnet von diesen ausgezeichneten Musikern noch nicht viel gehört hat!  „Lo Zar Non E’Morte“ ist der nächste Höhepunkt des Albums. Es kommt feierlich-kämpferisch-dekadent und ist sehr treibend daher sowie wesentlich schneller getaktet als der Rest des Albums. Wen es spätestens bei dem Stück nicht packt, der hat einfach kein musikalisches Herz. Das ganze Album hindurch fallen die gezupften akustischen Gitarren auf, die auch hier wieder schlichtweg auf den Punkt sind und an diverse andre große Neofolk-/ Folk-Kombos erinnern (nein, Beispiele werden jetzt nicht genannt!). Wenn man bedenkt, dass an diesem Erstlingswerk ganze fünfzehn Musiker beteiligt waren, überrascht es nicht, dass es so ausgefeilt und in sich harmonisch wirkt und einfach „ganz“ wirkt. Es folgen drei ruhigere, getragene Stücke, die Möglichkeit geben, ein wenig Luft zu holen und ein wenig zu träumen. Das Outro „Il Congedo“ lässt das Augenmerk noch einmal auf den phantastischen Bass werfen (der in wunderschöner 80er-Manier bei fast allen Stücken in den Vordergrund gemischt wurde) und wieder ist es ein Refrain, der einfach einfängt. Als kleines Bonbon zum Schluss gibt es einen Hidden Track, der passenderweise nicht nur „L’Ultimo Valzer“ heißt, sondern auch einer ist.

Merke: Eine Platte, die mit einem Walzer beginnt und mit einem endet, kann nur vom Teufel sein (in Anlehnung an Tom Robbins)!

F. S.

Format: CD
Vertrieb: HR!SPQR
Mailorder: Going Underground
 

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