WHITE MOTH – Self Titled (CD)

R. Loren, vor allem als Frontmann  der PYRAMIDS bekannt, scheint ein arbeitswütiger Mensch zu sein. Während die Vorbereitungen für das neue PYRAMIDS-Album bereits im vollen Gange sind und ein Veröffentlichungstermin für 2011 angekündigt ist, bringt das frisch gegründete US-amerikanische Label Angel Oven fast zur selben Zeit zwei Alben von R. Lorens Nebenprojekten SAILORS WITH WAX WINGS und WHITE MOTH heraus.

Kommt bei SAILORS WITH WAX WINGS eher der Faible R. Lorens für krachende Gitarren zum Vorschein, spiegelt WHITE MOTH seine Liebe für Noise und Hardcore wider. Wie schon bei PYRAMIDS und SAILORS WITH WAX WINGS hat R. Loren auch diesmal wieder eine Vielzahl von Künstlern aus unterschiedlichen musikalischen Genres um sich gescharrt, um sein Vorhaben zu verwirklichen. So haben u.a. Lydia Lunch, Christoph Heemann, John Gossard (ASUNDER, WEAKLING) ebenso einen Gastauftritt wie Alec Empire oder DÄLEK. Colin Marston (KRALLICE), der neben Gitarre und Bass gemeinsam mit R. Loren auch für die Produktion verantwortlich ist, scheint zudem einen besonderen Anteil an der Umsetzung des Projektes zu haben.

Die acht Stücke, die sich auf eine Gesamtspielzeit von etwas mehr als 30 Minuten ausdehnen, fegen wie ein Sturm über den Hörer hinweg – ein Sturm – aufgeladen mit Feedbacks, Knarzschleifen, Knalldrums und Soundpartikeln dunkelster Abkunft.

Nach einem kurzen Intro erklingt der erste Track “There Was A Man With Tongue Of Wood“, welcher den Hörer sofort in einen Sog aus schnellen harten Beats und wuchtigen Gitarrenklängen zieht. Ohne Verschnaufpause geht es weiter mit “Two Women, Knitting“, einem Track, bei dem die Sturmgeschwindigkeit noch mehr zunimmt und die Beats dem Hörer heftig um die Ohren knallen. Dabei gelingt es R. Loren immer wieder großartige Melodiebögen, die u.a. durch seinen Gesang getragen werden, zu spannen. Doch kaum ist der Track verklungen, drängt sich “The Sea Was Blue Meadow“ nach vorne. Gnadenschreie, Wummerbeats und Krachgitarre brechen sich hier ihre Bahn und reißen dem Hörer fast die Ohren vom Kopf. Nachdem sich die Sturmwogen allmählich geglättet haben, wird zu “Shoot The Clock“ übergeleitet. Hier steuern DÄLEK ihre düsteren Raps bei, die wie Windböen über den Boden peitschen. Danach folgen “You Texas, Dark Star“ und “Blood And Torn Grass“ – Tracks, die insbesondere durch die hämmernden Gitarren und den Gesang R. Lorens, einen musikalischen Strudel erzeugen, der einem Tornado gleich alles mitreißt, was nicht niet- und nagelfest ist. An dieser Stelle ist R. Loren sehr nah bei seinem Projekt PYRAMIDS. Der Wind dreht sich nochmals mit “Smiles Warm Red Light“ bevor mit “To The Cathedral“ das Finale erreicht wird. Zurück bleibt eine Landschaft, in der WHITE MOTH erkennbare Sturmfurchen hinterlassen haben.

Mit dem Debütalbum von WHITE MOTH ist R. Loren, trotz der Vielzahl der beteiligten Künstler, eine ausgewogene Veröffentlichung gelungen, bei der sich in allen Stücken die musikalische Charakteristik R. Lorens wiederfinden lässt.

Kurzes Verschnaufen – der nächste Sturm kommt bestimmt! (D.L.)

Format: CD
Vertrieb: ANGEL OVEN
Mailorder: Going Underground
 

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