Johann Johannsson macht sich auf den Weg – und ich gehe mit. Die Type Records –Protagonisten und Weltklassetrüffelschweine John Twells und Stefan Lewandowski haben ihre bewährten Gesichtserker wieder mal unter die richtige Wurzel gehalten und mit “And In The Endless Pause There Came The Sound Of Bees“ eine Veröffentlichung verlegt, die nicht weniger als verneigungswürdig ist.
Ihr Schöpfer, Johann Johannsson, komponierte dies zeitlose Ganze ursprünglich als Soundtrack für den Animationsfilm “Varmints“, dessen Schöpfer wiederum Marc Craste ist. Herausgekommen ist die Feier eines herzzereißenden Themas, passend bei Type Records veröffentlicht, war das britische Label doch einst als Soundtracklabel gestartet. Hier also finden sich Ort und Berufung. Durch die eleganten Pianosequenzen, die ozeanflächig die gesamte Veröffentlichung umspielen, lässt der isländische Meister kleine Streicherschiffchen schwimmen, die in der sonnendurchglänzten Atmosphäre des Albums ein Panorama zum Dauerverweilen schaffen. Immer dann, wenn der Ozean tobt und die Sturmflut die Schiffchen über die aufgepeitschte See treibt, schließt in der Folge ein erhabener, fast entrückter Augenblick an. Dieser Wechsel durchzieht entlang des Hauptthemas das gesamte Album und ummantelt den Hörer in unterschiedlichen Graden mit warmen Streicherpassagen und hier und da mit einem kleinen Drönchen. Auf “City Building“ singt ein Chor, fast einem Chor der Verlorenen gleich und schmilzt so das Erwartbare ein. Auf “Siren Song“ schwirrt des Johanns Orgel begleitend durch die Gesangspassagen des Chors der Verlorenen. Ohrenbad meint hier wohl jeder, der empfinden kann. Speziell in den Momenten des Innehaltens und der Verlangsamung des Themas, wie bei “Rainwater“, bleibt man so berührt vor dieser Veröffentlichung stehen, dass man gar nicht anders kann, als sich selbst beim Hören von außen zu beobachten. Besonders die verschleppten Tempi sind es, die sich dann unglaublich gut mit dem eigenen, inneren Tempo vertragen. Fast meint man, Johannssons Tempo und das eigene würden Bruderschaft trinken. Ähnlich müssen die Jurymitglieder des Rhode-Island-Film-Festivals empfunden haben, verliehen sie Johann Johannsson doch hierfür den Preis für Filmmusik.
Würden wir in einer gerechten Welt leben, in der dem Schönen der gebührende Tribut gezollt werden würde, könnte diese Besprechung hier enden. Aber – ach: Was muss man dieser Tage aus den teilverwesten Redaktionsstuben der urbanen Hippster und Redaktionspraktikanten auf Lebenszeit vernehmen? Des Johanns Meisterschau wird als Innerlichkeitskitsch abgetan! Welchen Verbrechens macht sich Johannsson in deren hornbebrillten Augen schuldig? Dass er den Horizontalverspannten zeigt, was Vertikalspannung ist? Dass er Furchen zieht, weil er gewohnte Pfade verlässt? Dass er die exemplarischen Gesten verweigert, um die blicklosen Augen der zugekoteten Hippsterluschen zum Blinzeln zu bringen?
Ob es den harnversiegelten Pappkameraden nun aufstößt oder nicht – Johannsson zeigt den Willen zur Gestaltung, während die innerlich Ausgeblassten nur den Wunsch zur Dekoration haben. Er ist keiner, der zwangsläufig den Werkereien anhängt, er komponiert und gestaltet so versiert, dass es ihm gelingt, die raren Momente des Großen und Erhabenen einzufangen und mit seinen eigenen Ideen angereichert zum erneuten Aufleuchten zu bringen. Dieses Aufleuchten setzt bei jedem Durchlauf ein. Garantiert! (S.L.)
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