Die belgischen Tale Of Tales Studios brachten 2009 ein “Horror-Videospiel“ mit dem Titel “The Path“ auf den Markt, welches durch das Märchen “Rotkäppchen“ inspiriert worden ist. Der Kerninhalt des Spiels ist schnell erzählt. Eine Mutter lebt mit ihren sechs Kindern in einem Haus und möchte, dass eines der Kinder die kranke Großmutter besucht und ihr einen Korb voll Essen bringt. Der Spieler kann sich aus den sechs Schwestern, eine Figur heraussuchen, die jeweils eine bestimmte Entwicklungsstufe vertritt beziehungsweise eine Facette des Erwachsenwerdens verkörpert.
Bevor man sich auf den Weg zur Großmutter begibt, wird der Spieler darauf hingewiesen, unter keinen Umständen den Weg zu verlassen. Der Spieler, der sich an diese Regel hält, erreicht nach kurzer Zeit das Haus der Großmutter und das Spiel ist beendet. Wer jedoch trotz aller Warnungen in den Wald geht, für den beginnt das Spiel erst richtig. Im Wald trifft jedes Mädchen auf ihren persönlichen Wolf, um im Anschluss daran zu erkennen, dass auch das Haus der Großmutter nicht so sicher ist, wie es scheint und die ein oder andere böse Überraschung birgt. Für die musikalische Untermalung des Spiels sorgen Kris Force (AMBER ASYLUM) und JARBOE. Bei Paradigms Recordings ist jetzt der Soundtrack dazu in einer Limitierung von 500 Exemplaren erschienen. Dabei handelt es sich nicht um einen Soundtrack im klassischen Sinne, sondern eher um eine Ansammlung verschiedener Stücke, von denen der überwiegende Teil, die jeweiligen Spielsituationen begleitet. Der erste Track “Safe Song – The Path“ basiert auf einer einfachen und eingängigen Pianosequenz, die nur in der Breite variiert wird. Im scheinbar Repitiven finden sich so die Muster einer strudelförmigen Eingängigkeit. Dadurch gelingt es den beiden Künstlerinnen, den Hörer zu binden, unabhängig der Kenntnis des Videospiels. Überhaupt nehmen neben dem charakteristischen Geigenspiel von Force, Pianoeinschübe einen großen Raum auf dieser Veröffentlichung ein. Tatsächlich wird hier nur ein Thema verwendet, welches in seiner Bearbeitung gestreckt, gedimmt und modifiziert wird. So wird zum Beispiel dieses Thema auch im zweiten Track “Forest Theme“ aufgenommen, doch diesmal tänzelt es nicht so unbeschwert daher, da bereits zu Beginn davor gewarnt wird, sich mit dem Wolf einzulassen. An dieser Stelle sei auf den Wirklichkeitsgehalt des Spieles hingewiesen, auch wenn der Wolf natürlich nur metaphorisch “gelesen“ werden kann. Für den Gesang zeigt sich überwiegend JARBOE verantwortlich. Ihre entrückten Vocals sorgen für den Grusel, welcher für ein “Horror-Videospiel“ unablässlich ist. Eindringlichkeit bleibt dabei JARBOE’s Trumpfkarte. Außerdem übernimmt sie immer wieder spoken word– Parts, wie am eindrucksvollsten bei “Grandmother´s Tale“. Dennoch scheint die Handschrift von Kris Force basal für diesen Soundtrack zu sein. Stücke wie “Fey Wolf“ oder “Cloud Wolf“ hätten sich auch gut in eine Veröffentlichung von AMBER ASYLUM einfügen können.
Auf “The Path“ geben Kris Force und JARBOE Einblicke in ihr musikalisches Spektrum. Da das Album aber thematisch auf das Videospiel bezogen ist, ist es eine Veröffentlichung der etwas anderen Art geworden, was aber an dieser Stelle nicht im Geringsten negativ verstanden werden soll. (D.L.)
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