ION – IMMACULADA (CD)

Kohlenhydratmodifizierte Platten des nahenden Sommers – pathogene Faktorenkomplexe namens ION schleichen durch Rezensionsstuben. Bekannterweise erhöht sich das Kariesrisiko durch die regelmäßige Einnahme zuckerhaltiger Produkte. “Immaculada“, der Ionen neuste Scheibe, ist ein Zuckerkonzentrat, wohl aus den Laboratorien großer Süßwarenhersteller.

Die acht extrazuckrigen Zuckerbonbons bestehen zu 100% aus niedermolekularen Kohlenhydraten. Und welch Zückerli hier Verwendung fanden! Ein Würfelzückerchen namens “Immaculada“ liegt zuvorderst in ION`s Bonbonschatulle. Gereicht wird es an Wisperstimmchen und Dämmerakkord, dazwischen flüstert ein gotisches Wimmelelfchen. Zuckerbäcker Duncan Patterson hat zwar keine Schokoladenfabrik, dafür ist er der Schöpfer und Wächter der ION´schen Bonbonfertigung. Bonbon Nummero 2 heißt “Temptation“ und besteht aus weißem Rohrzucker, sowie süßem Mandolinengezirpe und einer deftigen DEAD CAN DANCE-Anleihe. “Adoration“ ist das dritte Leckerli im Schächtelchen. Ein Melassekaramell, bei dessen Verzehr Flöten pfeifen und Zupfinstrumenten krampfen – äh klampfen. Fast meint man nach längerem Kauen das Dunkelelfchen zu vernehmen, welches sich auf dem Cover dieser Geschenkpackung unter einer Gardine versteckt hat (Unfall im Haushalt?). Vermutlich ist die unter Oma´s Fensterschmuck Verborgene jedoch nur Kaufanreiz und Hinweis, dass der Verzehr von “Immaculada“ nicht zur Adipositas führt – jedoch deren Zähne sieht man nicht. Skeptisch und unter leichtem Zuckerschock zurück zum irischen Zuckerbäcker Patterson und dessen “Damhsa Na …“ (der Rest der Verpackung ist verknittert). Diese grobkörnige Raffinade lässt beim Verzehr einen Polterbass und ein paar Eso-Flötchen erklingen. Dazwischen läuten ein paar durchgehangene Klampfen und eine Blähtrommel, wohl so etwas wie den Höhepunkt dieses mit zusätzlichen Puderzucker bestäubten Plombenziehers ein, bevor die Melodei ins Nirwana des Redundanten leiert. Der Verzehr hat mittlerweile beim Rezensenten Reaktion selten da gewesener Art ausgelöst. Ja, übermäßiger Zuckergenuss kann Schlimmeres bewirken als Karies. Der Schreiberling hüpft nach Einnahme von “Invidia“, dem fair-getradeten Farinschlucker, zitternd, lachend und albern um den Schreibtisch. Sprach- und Bewusstseinsstörungen können nur auf die zuckerverklebten Synapsen zurückzuführen sein – da schreit er: “Huch-Diplopie – Doppelbild, dich traf ich letztens bei Dionysos“ und später: “Opa – bist du das? Ich wähnte dich in Thanatos` Gesellschaft?“. Am nächsten Morgen liegt ein Schreiberling auf dem Rezensionsteppich im Rezensionsbüro. “Kopfschmerz“, schreit der erste Gedanke des um Bewusstsein Ringenden. Er erblickt ION´s “Immaculada“ mit schreckensweiten Augen. Erschrocken flieht er nur mit den Kleidern, die er am Leib trägt. “Nochmal davon gekommen“, denkt er und: “Opa kann warten“.  (S.L.)

Format: CD
Vertrieb: EQUILIBRIUM MUSIC
Mailorder: Going Underground
 

Stichworte:
, , ,