TURIN BRAKES – Outbursts (CD)

Als musikalischen Ausbruch kann man die neue CD der TURIN BRAKES trotz des Titels nicht unbedingt bezeichnen. Dazu sind die Jungs auch 2010 noch zu sanft und melodisch. Aber es geht schwungvoller zu bei Gale Paridjanian und Olly Knights als noch im Jahre 2002, in dem das legendäre Debüt „The Optimist LP“ uns alle mit Duettgesang und Gitarrenharmonie, Singer-Songwriter-Folk und Roadmovie-Atmosphäre bezauberte.

Die beiden Briten klangen dereinst amerikanischer als ihre Kollegen aus den Staaten und schafften es, dass man sich mitten in Filme wie „Paris, Texas“ versetzt fühlte kraft ihrer Kompositionen. Nicht wenige Hörer rechneten die Band aufgrund dieses Debüts zu einer der unzähligen, fragwürdig betitelten „Bewegungen“ und angeblichen Umwälzungen der Musikszene und riefen begeistert: „Quiet is the new loud!“ Was Gale und Olly auf ihrer zweiten CD „Ether Song“ sanft, aber bestimmt als Missverständnis aus dem Weg räumten, indem sie dezente elektronische Anteile in ihren typischen Stil integrierten und ihre Songs druckvoller gestalteten.

Wem das schon zu loud oder zu wenig quiet klang, der wurde vom dritten Longplayer „Jack In A Box“ erst recht vor den Kopf gestoßen. Zwar lagen die elektronischen Spielereien zunächst auf Eis, doch die dort vorherrschende Fröhlichkeit wirkte stellenweise schon etwas forciert, und so kehrte man auf „Dark On Fire“ wieder zu jenen Wurzeln zurück, die TURIN BRAKES ohnehin nie verleugnen konnten.

Das hat sich auch nach acht Jahren nicht grundlegend geändert. Gale und Olly sind älter, dem Ring an Ollys Hand nach zu urteilen ist zumindest die eine Hälfte des Duos inzwischen unter der Haube, und die Musik der Brakes ist immer noch ein Klang gewordener Roadmovie mit Gänsehautgarantie.

Allerdings gehen TURIN BRAKES 2010 tanzbarer zu Werke als in den Anfangstagen, die der leisen Melancholie den Vorrang einräumten. So gibt es auf „Outbursts“ – was insofern wohl als titelgebendes Element verstanden werden darf – einige Songs zu hören, deren Beat zum gemäßigten Hüftschwung und getragenen Tanzschritt auffordert. Das Gitarrenspiel klingt ausgereifter, allerdings auch kalkulierter und weniger spontan. Gale und Olly sind professionell geworden; gelassen waren sie ja schon immer, sonst käme die Turin Brakes-typische Leichtigkeit wohl gar nicht zustande.

Auch beim wiederholten Hören von „Outbursts“ kann man der Band unmöglich böse sein dafür, dass sie jenem Stil treu bleibt, den sie auf der „Optimist LP“ und den Nachfolgern entwickelte, variierte und verfeinerte – im Gegenteil. Die bescheidene Konzentration auf die Musik und der Verzicht auf ein strategisches Image sind eine solche Seltenheit in der zeitgenössischen Superstar- und Jugendwahn-Kultur, dass wir uns anhand jeder neuen Platte der Turin Brakes gerne daran erinnern lassen, worauf es eigentlich ankommt. (M.R.)

Format: CD
Vertrieb: COOKING VI/ INDIGO
 

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