THESE NEW PURITANS – Hidden (CD)

Die Musik der jungen britischen Band THESE NEW PURITANS lässt sich am besten in der Negation definieren. Elektro, Hip Hop, Techno, Dark Wave, Neoklassik – diese und weitere Kategorien fallen dem musikkundigen Hörer des zweiten Longplayers „Hidden“ sofort ein, nur um kurz darauf notgedrungen wieder fallengelassen zu werden. Insofern darf der Bandname gleichzeitig als Ironie und als bitter ernst gemeint verstanden werden: Was es zu hören gibt, bedient sich bei den genannten musikalischen Genres, um am Ende keines davon auszufüllen und sich selbstbewusst in der ureigenen künstlerischen Nische breitzumachen.

Breit kommt auch der Sound dieser ungewöhnlichen Band daher, die neben den Brüdern Jack (Gesang, Gitarre, Laptop) und George Barnett (Drums, Loops) aus dem Bassisten Thomas Hein und der Keyboarderin Sophie Sleigh-Johnson besteht, alle Anfang zwanzig. Das erste Stück des neuen Albums entwirft zunächst ein düsteres, von Blasinstrumenten getragenes, neoklassizistisches Leitmotiv, das in den folgenden Tracks wiederholt auftaucht; zu diesem Zweck hat man entsprechende Instrumentalmusiker engagiert. Beim zweiten Stück, der Single „We Want War“, kommen dann zur unheilschwangeren Kammermusik die schon vom Erstling „Beat Pyramid“ bekannten, martialischen, aber teilweise elektronisch manipulierten Drums dazu, die für den charakteristischen Sound der Puritans verantwortlich sind. Was da unter diesen Vorzeichen entsteht, wäre im Prinzip hochgradig tanzbar, würde der Rhythmus sich nicht alle paar Sekunden völlig ändern oder unterbrochen werden von symphonischen Einschüben und dem Sound der über Metall gezogenen Klinge eines Schwerts. Jack Barnetts Vocal-Performance schwankt zwischen Flüstern, Sprechgesang und übereinandergeschichteten Ein-Mann-Chören und setzt sich somit ebenso wie die Musik zwischen alle Genre-Stühle. Die Texte erzählen von der schon auf „Beat Pyramid“ präsenten mystischen Zahlensymbolik sowie von – passend zur bedeutungsschweren Musik – dunklen Geheimnissen; das Cover der Platte ziert ein schwarz auf schwarz gezeichnetes, nur schemenhaft erkennbares Labyrinth. Nein, klischeefrei ist das natürlich nicht. Zusammen mit dem Besten aus den aktuellen Genres der Popmusik übernehmen diese neuen Puritaner auch einige weniger erfreuliche Elemente. An einer Pathos-Allergie sollte man zum Beispiel nicht unbedingt leiden, will man sich „Hidden“ unbeschadet zu Gemüte führen, und keine Platte eignet sich wohl besser als Medikament gegen chronische Harmonie- und Melodiesucht. Das alles verzeiht man der Band jedoch, weil sie sich wirklich traut, in einem recht postmodernen Ansatz Vorhandenes aufzugreifen, auseinanderzunehmen und zu ihrer ganz speziellen, von multiplen Rhythmen dominierten musikalischen Collage zusammenzubasteln. Und obwohl das Endergebnis so schwer einzuordnen ist – im Musikbusiness immer eine riskante Sache – haben die Puritans verdientermaßen sogar kommerziellen Erfolg damit. Was letztendlich beweist, dass die sogenannte „breite Hörerschaft“ eben doch nicht immer nur am ewig gleichen und Gestrigen interessiert ist.

Schön im üblichen Sinne ist das zweite Album von These New Puritans nicht, dazu sind die dargebotenen Klänge zu neu und fremdartig. Für all diejenigen aber, die ihre Musik nicht nur mit dem Bauch, sondern auch mit dem Kopf hören wollen, gibt es hier eine interessante Band zu entdecken, die sich genreübergreifend ihre Fans sichern und schon allein deshalb noch lange im Gespräch sein wird. (M.R.)

Format: CD
Vertrieb: Domino Records
 

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