ROZZ WILLIAMS & GITANE DEMONE – In The Heart (LP)

Wie „On the Altar“ trägt auch dieses Album die symbolträchtige Nummer 1334 und ist nicht nur deswegen als dessen Schwesteralbum zu sehen. Auf dem Cover haben wir hier Blumen auf schwarzem Grund und auch hier ist das schwarze Vinyl (es gibt auch noch eine limitierte Auflage in buntem) in einer schwarzen Innenhülle verpackt. Musikalisch beginnt es indes etwas anders, finde ich: „Dream Home Heartache“, aufgenommen im April 1996 in Edinburgh, geht gleich in eine sehr gefühlvoll-dramatische, stellenweise fast bombastische, Richtung, gerade wenn sich Gitane Demones intensiver Gesang einschaltet, sodass sich bei geneigten Hörer/inne/n womöglich gleich eine Gänsehaut einschaltet. Wie könnte es auch anders sein, bleibt auch ein Titel namens „These Vulnerable Eyes“, den Gitane alleine vorträgt, dieser emotionalen Atmosphäre treu, wobei die Stimmung hier noch etwas wie Richtung Cabaret geht. Bei „A World Apart“ zeigt dann Rozz Williams, dass auch ihm diese  Töne bzw. diese Atmosphäre liegen: Mit Madame Demone zelebriert er mitreißend ein gefühlvolles Duett.

Die erste Seite beschließen zwei Lieder, welche 1995 in Paris aufgenommen wurden: „Pope‘s Egg Hat“, welches v.a. von Rozz‘ Stimme und Pianoklängen getragen wird und durch seinen Sprechgesang (und Gitanes  „heulenden“ Gesang im Hintergrund) eine ganz eigene, schräge und unheimliche, fast gruslige Stimmung bekommt. Klasse! Auf „Moon Without A Tear“ ist Rozz nicht zu hören, lediglich Gitane Demone leiht diesem Song ihre Stimme und bringt ein melancholisch-schönes Stück – ganz ohne Gruseleinlage, würde ich jetzt mal sagen – zu Gehör.
Zu Beginn von Seite B befinden wir uns quasi wieder im Edinburgh des Jahres 1996, es erklingt „Flowers“ und Rozz Williams lässt seine gefühlvolle Stimme und seinen effektvoll artikulierten Gesang auf eine Art und Weise erklingen, die nicht nur Hörgenuss bereitet, sondern es einem auch einleuchten lässt, wieso Künstler wie z.B. jener charismatische Sänger der spirituellen Front es immer mal wieder versucht, auch (ungefähr) so zu klingen. Denn das klingt so richtig gut! Akustisch führen uns „Manic Depression“ und „Dream Home Heartache Reprise“ zurück nach Paris. Passend zum Titel überschreitet der Gesang von Gitane Demone bei „Manic Depression“ gewiss manchmal die Grenzen der „Ausgewogenheit“ bzw. Wohltemperiertheit, aber alles andere wäre hier ja auch sonderbar… Jedenfalls bietet (auch) hier Rozz Williams den Gegenpart und zusammen – gemeinsam – kreieren sie einmal mehr und doch wieder anders als zuvor alles andere als einen anheimelnden Ohrwurm, sondern eben einfach einen starken Song.
Das „Reprise“ wiederum ist zwar mehr als stimmungsvoller Lückenfüller und entfaltet gerade was die Soundscapes hinter dem Gesang angeht, einiges an Atmosphäre, fällt jedoch nach dem Lied zuvor ein wenig ab.
Auch hier gibt es als letzten Titel einen „Bonus Track“ und wie bei „On the Altar“ entstammt der dem Konzert in The Vault, Miami, 30.12.1996. „Time“ entführt einen wieder in die Stimmung eines Cabaret (Voltaire?) und greift etwas die Stimmun von „Flower“ auf, klingt dabei vielleicht einen Tick pointierter und rhythmischer.
Jedenfalls ist dieses gefühlvoll vorgetragene Stück nicht nur musikalisch ein geglückter Schlusspunkt dieses (Doppel-)Albums, sondern erinnert auch durch seinen Titel und das darin anklingende „memento mori“ daran, dass wir zwar Stimmen glücklicherweise konservieren können, jedoch ungeachtet unseres Glaubens alle einer Sache unterworfen sind. Und diese „Sache“ ist das letzte Wort, das wir von Rozz Williams auf diese Vinylplatte vernehmen.
Normalerweise würde ich dem Herz immer dem Vorzug vor dem Altar geben und in der Tat ist „In the Heart“ wohl das gefühlvollere Album, wenn man unter unter „gefühlvoll“ eben langsam und dramatisch bzw. elegisch versteht, jedoch zeigt das schnellere, druckvollere „On the Altar“ eine ebenso wichtige Facette auf, sodass ich zum Abschluss schreibe, dass wir diese beiden Alben gefälligst als eine Art Doppelalbum betrachten, welches ich jedem Freund von Gothic Rock im weiteren Sinne vorbehaltslos empfehlen kann. Fans und Sammler der beteiligten Künstler bzw. Christian Death werden es sich ohnehin zulegen und sie tun gut daran.

1334 von 1334 Punkten.

(flake777)

Format: LP
Vertrieb: Dark Vinyl
Mailorder: Going Underground
 

Stichworte:
, , , , ,