JOHN MAUS – Screen Memories (CD)

Retro-Futuris JOHN MAUS erscheint nach sechs Jahren mit einem neuen Album wieder auf der Bildfläche und alle jubeln mit. Galt sein letztes Überfliegeralbum „We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves“ neben Insidern im Gruftie-Club auch zu den Highlights in Feuilleton und Fachmusikpresse, knüpft der Produzent und Songwriter auf seinem vierten Werk „Screen Memories“ an sein bewährtes Erfolgsrezept an: Eingängige, kurze Synthpop-Songs mit Ohrwurmcharakter – und Qualität!

Nostalgisch wird es bereits beim Betrachten des Covers. „Störflimmern“ beim analogen Fernsehen, kennt das noch wer? Die alten Hasen garantiert, die neue Generation übt sich derweil in schwermütiger Vergangenheitsbewältigung und dem hoffnungslosen Wunsch nach „früher war alles besser“. Tief beeinflust von ewigen Referenzgrößen wie JOY DIVISION, BAUHAUS und KILLING JOKE, bleibt auch das neue Album wieder eine tiefe Verbeugung vor den stilprägenden 80er-Jahren, als Popkultur noch als Gegenbewegung verstanden werden durfte und nicht wie heute adrett-schwarz gekleidete Kunststudenten sich die Fingernägel schwarz lackieren, eine JOHN MAUS-Platte auflegen (oder noch schlimmer: streamen!) und sich dann als NewWave-Romantiker bezeichnen. Nun ja, sein Publikum kann man sich schließlich nicht aussuchen und lieber ein kunstbegeistertes Hipster-Publikum bedienen als den schnöden Mainstream ohne jegliches Faible für Ästhetik und Auftreten.

Für „Screen Memories“ hat sich JOHN MAUS mehrere Monate von der Bildfläche verabschiedet und in seiner Heimatstadt in Minnesota an neuen Songs getüfelt, seine analogen Synthesizer selbst gebaut um letzten Endes wieder dort zu landen wie immer: Beim Retro-Synthpop den wir doch alle so sehr lieben.

Zu hören bekommen wir zuckersüße Melodien, die beim Höhepunkt aber stets in sich selbst zusammenfallen, denn anstatt auf Refrains und Ohrwürmer zu setzen musiziert MAUS oft auf den Punkt. Seine distanzierte Bariton-Stimme ist mal weiter vorne, mal weiter hinten in den Song gemischt – wabernder Doom-Synth und einprägsame Bass-Figuren dominieren stets die kurzweilige Szenerie. Der große Pluspunkt seiner Musik: Die Songs nutzen sich nicht ab. Auch wenn ein Stück selten mal über drei Minuten wabert, schafft es MAUS spielerisch unprätentiös seine Eingängigkeit durch Qualität zu bewahren. Aus jahrelangem Experimentieren mit Post-Punk-Referenzen hat er schlussendlich die Formel zu seinem ganz eigenen Trademark-Sound gefunden.

MAUS, der sich selbst als poststrukturalistischer Theoretiker begreift und als Politikwissenschaft an der Universität von Hawai lehrt, gehört sicherlich zu den schillderndsten Szene-Ikone der US-Gegenwart und gehört belohnt für diese konsequente Weiterführung des Nischen-Minimalismus. Stilbewusstsein, Tradition und Konsequenz finden sich selten gleichzeitig auf einer Synthpop-Platte. Belohnen kann man sich als leidenschaftlicher Musikfan daher nur mit dem Kauf dieses Tonträgers auf einem analogen Nostalgie stimulierenden Medium seiner Wahl.

(D. Charistes)

Format: CD
Vertrieb: Ribbon Music