MARS – The Seeker (CD / LP)

Während die Genre-Titulierung „Apocalyptic Pagan Folk“ durch umtriebige Neofolk-Bands wie CULT OF YOUTH, THE BLACK HEART REBELLION oder HEXVESSEL gegenwärtig ein gewisses Revival feiert, stehen MARS aus Mainz wohl aktuell wie keine zweite Band aus Deutschland für diese Marschrichtung.  Auf ihrem vierten Album „The Seeker“ präsentieren sich Marcus Stiglegger (Gesang, Percussion, Sampling/Sound) und sein Mitstreiter Oliver Freund (Gesang, Gitarren) gewohnt in tiefschwarzer Ästhetik mit mystisch-spirituellen Ritual-Folk der Marke DEATH OF JUNE.

Beginnend bei einem wunderbar-atmosphärischem Artwork aus gesammelten Naturartefakten, Knochen und Schädeln aus der Mache von Künstlerin & Designerin Nadine Demmler, bis hin zur gesamtheitlichen, detailverliebten Konzeption aus Ästhetik und Präsentation der Musik nimmt uns das Album auf eine Reise durch die magische Welt der Naturmystik und konfrontiert den Hörer mit einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mit eindrucksvoller Intensität und religiöser Ernsthaftigkeit haftet der Band ein authentischer Trademark-Sound an, der eine  Beschäftigung mit Magie, Okkultismus und tiefer Naturverbundenheit inne hat, für den Hörgenuss aber nicht zwingend vorausgesetzt wird.

Diese dringliche Dynamik zieht sich durch das gesamte Werk, die das Hörerlebnis zu einer berührenden und intensiven Erfahrung macht. Ihr reduzierter aber eindringlicher Sound basiert vor allem auf Akustikgitarren und Perkussion-Klängen, gelegentlich erweitert durch Violine und dezent betontes Bass-Spiel. Gelegentlich streifen MARS mit ihrer Musik auch mal in Americana-Gefilde und erinnern dann vor allem im Bariton dargebotenen Gesangsstil an KING DUDE und dessen Elemente aus Gothic und Dark Blues.

Stücke wie „The Lord Of The Seeker“, „Raven´s Eyes“ und „Farewell To The Sun“ atmen eine zutiefst weltverlorene Stimmung, die einerseits durch ihre Eingängigkeit sofort ins Ohr geht, anderseits aber die Pforte zur Transdendenz öffnen, wenn man ein Faible für Imagination und spirituelle Weitsicht hat. Es sind Stücke, die wie für eine musikalische Unterlegung des apokalyptischen Renaissance-Malers Hieronymus Bosch anmuten. Die Stimmen von Stiglegger und Freund thronen auf ihre ganz eigene Beschwörung des Weltuntergangs hin und verlieren sich in nebelverhangenen Momenten glorifizierter Waldmelancholie.

Mich begeistert nach mehrmaligen Hören die stringente Ernsthaftigkeit, die dem Projekt in jeder Note anhaftet und ein Nebenherhören zur Schande macht. Diese Band möchte begriffen, verstanden, erkundet werden. „The Seeker“ ist perfektionierter Neofolk eigener Uniformierung und richtet sich an eine Hörerschaft, für die Musik noch intellektuelle Beschäftigung mit Kunst und Materie darstellt, bzw. Menschen, die meilenweit davon entfernt sind, Musik als billiges Konsumprodukt zu begreifen.

Fazit: Ein stimmungsvolles Meisterwerk und  für mich neben der aktuellen Platte von THE BLACK HEART REBELLION eines der besten Neofolk/Ritual-Folk-Alben der letzten Jahre! (D. Charistes)

 

Format: CD / LP
 

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