SOROR DOLOROSA-Apollo (CD)

Die Ankündigung einer Veröffentlichung auf Prophecy kam im letzten Jahr schon überraschend, aber doch gleichermaßen erfrischend, sind Solor Dolorosa als klassischer Gothrock/Wave Act doch jetzt schon eher ein Ausreißer im Label-Programm. Letztlich tut es der Bandbreite im Programm aber ganz gut, zieht man sich mit den Franzosen einen bereits seit über 15 Jahren musizierenden Edelstein an Land, der doch bereits auf einige vollmundige Veröffentlichungen zurückblicken kann. Passenderweise spielen die Verbindungen zu Prophecy-Classics wie Alcest, Lantlos und Les Discrets keine unbedeutende Rolle beim Labelwechsel. Die Pariser Band um den charismatischen Frontmann Andy Julia, welcher selbst kein unbeschriebenes Blatt als bekannter Fotograf in der Pariser Modewelt ist, liess das neue Werk ganze 4 Jahre gedeihen und kredenzt als Vertreter des modernen Gothrocks ein Album mit vielerlei kleinen, aber feinen Einflüssen zum Einstand bei Prophecy. Soror Dolorosa, der Name, der im lateinischen soviel wie „Schwester Schmerz“ bedeutet, einem symbolistischen Roman des flämischen Schriftstellers G.Rodenbach entlehnt(Das tote Brügge), welches mit Untertönen wie Leidenschaft, Nostalgie und Trauer als Puzzleteilchen den Sound+Lyrics der Band prägen sollte und all diese Schlüsselelemente finden sich im Bandsound wieder, um dieses Mal mit zeitlicher Reife ein kraftvolles Statement für das schon manchmal totgeglaubte Genre zu setzen. Apollo startet mit fast klassischen Gothrock-Trademarks im selbstbenannten Opener-ein kraftvoller Gothrocker, knietief in den 80s stehend, Fields of the Nephilim lassen grüssen. Das folgende psychedelisch halbballadige „locksley Hall“ will auch noch nicht den Retro-Pfad verlassen, schafft aber mit epischen ausufernden Akkorden die andere Stärke der Band aufzuzeigen. Songs, denen Zeit gegeben wird sich aufzufächern, mit tollen Effektbeladenen Gitarren. Im 3.Song „that Run“ werden dann erstmalig tolle 80s Synths verwendet, welche auf der einen Seite stark nach modernen Shoegaze/80s Vertretern wie M83, auf der anderen Seite frappierend an Killing Joke Mitte der 80s(nighttime+brighter) erinnern, schwerelos, nächtlich kosmisch. Ein Track, der leider viel zu kurz ist, lebt er doch von einer wunderschönen Synthie-Melodie, von der man nicht genug bekommen mag. Soror Dolorosa scheinen sich jetzt warmgelaufen, folgt mit dem Überhit „everyway“ ein absoluter Tanzflächen-Smasher, wavig melancholisch, hymnisch angenehm im Midtempo, gleiten luftig feine Melodien zwischen 80er Wave und modernen Indiepop durch Raum und Zeit. Ein Song zum Verlieren, Verlieben sanft in Moll gemalt. Sänger Andy thront mit variabler Stimme( mal angenehmer Bariton, mal südeuropäisch klar und theatralisch), einer gesanglichen Ästhetik, die sich vor den alten Helden verbeugt, aber auch im Hier und Jetzt neue Wege fürs Genre definiert. Exemplarisch werden im folgenden „night is our hollow“ viele Shoegaze-Elemente im Gitarrensound (Alcest lassen grüßen) integriert, verschmelzen mit viel Hall und kraftvoll schneidenden Goth-Gitarren gen Ende hin wiederum auf sehr ausladende Art und Weise.
Das dann folgende „another life“ ist wie das bereits oben bejubelte „everyway“ ein Kracher, welche jede Indiedisko zum glühen bringen sollte, lassen die Franzosen moderne Sounds like White Lies u.ä. in ihren Klangkosmos einfliessen und dieser moderne Anzug passt den Franzosen hervorragend. Großartige Hymne-dunkel, euphorisch mit mal wieder weit offenen Armen. „Breezed&blue“ ist dann wieder so ein entrückter Longtrack mit langsamen Tempo, Gitarren malend wie The Cure zu ihren romantischsten Zeiten (disintegration), sehr kraftvollen pathetischem Gesang, und auch hier wieder an J.Coleman(Killing Joke) erinnernd. Ja Killing Joke zu ihren Wave-Zeiten fallen mir immer wieder ein-schöne Referenz irgendwie. Im weiteren Verlauf glänzen die Franzosen wie in nächtlichen Shoegaze/Ambient-Instrumentals „yata“ oder „long Way home“ sowie der schönen folkigen wavigen Ballade „a Meeting“ und zeigen ihren Mut zur Stiloffenheit. Mit den Smasher „the end“ hat man wieder so einen ganz klassischen Gothrock-Hit für alle Seelen der Nacht. Sicher ist das Genre oft totgesagt worden und die Klassiker wurden bereits alle geschrieben, nur schaffen die Franzosen es auf leichtfüßige Weise, dem Genre eine Frischzellenkur zu verpassen, da Songs und Melodien über Albumlänge keinen Verschleißmoment zulassen. Das Album wächst von Mal zu Mal und hat mit den übergroßen Rausschmeißern „deposit material und golden Shake“ die perfekten Schlußtracks, geleiten sie den Hörer mit schweren dunklen Klängen hinaus in die Nacht. Der Mix aus klassisch knackigen rockigen Hits und epischen Halbballaden ist die große Stärke der Franzosen und verspricht viel Abwechslung und ein gesundes Maß an klassischen Oldschool-Elementen und modernen Indie/Shoegaze-Einflüssen. Hier sollten Fans des klassischen Goth/Wave/Postpunk sowie Sympathisanten Alcest´scher Fragilität definitiv fündig und glücklich werden.Schön das Prophecy sich der Franzosen angenommen haben und dies natürlich wieder mit dicken Spezial-Editionen an die verdiente Hörerschicht weitergibt.

 

R.Bärs

Format: CD
Vertrieb: Soul Food Label:Prophecy Prod.
Mailorder: Going Underground
 

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